Der Teide

Von Familie Engels haben wir gehört, dass sie auf dem Teide – dem 3. größten Vulkan der Welt – auf Teneriffa waren und dass es mega toll war. Wir haben uns schlau gemacht und herausgefunden, dass man auch dorthin radeln kann, als erstes überlegten wir mit dem Bus zu fahren, aber es war nicht klar, ob er Fahrräder mit nimmt; dann eventuell ein Mietauto nehmen und selber hinfahren – auch irgendwie doof. Wir machen es ganz anders, wir segeln einfach ein bisschen in den Süden und radeln vom Boot weg.

Freitag morgen gingˋs los 40 Nm weiter in eine Bucht ankern und eventuell mit dem Dingi ans Land und radeln, als wir nach intensiven 25 – 30 Knoten von hinten in der Bucht ankamen, war uns total klar, dass wir bei dem Wind weder das Boot verlassen noch mit dem Dingi an Land gehen können. Nach einer windigen Nacht nahmen wir dann Plan B ins Visier: wir segeln ca. 5 Nm weiter in die Marina, bleiben dort und gehen radeln, doch da war kein Platz. Mit unerschütterlicher Zuversicht segelten wir zur nächsten Marina, die leider auch keinen Platz für uns hatte, aber in der ersten Marina meinte ein Angestellter, dass wir bei ihnen im Hafen ankern können. Okay dann wieder zurück 3 Nm gegen die Swell und gegen den Wind – ich kann euch sagen KEIN SPASS, aber endlich angekommen bekamen wir weder eine Ankerstelle noch einen Platz. Wir telefonierten noch einmal mit der Marina del Sul und hurra plötzlich hatten wir Platz und unser Vulkan Ausflug rückte in greifbare Nähe.

Samstag 4.11.18

6 Uhr aufstehen, Frühstücken, Räder zusammen bauen und um 7.45 Uhr ging es los.

Laut Streckenangabe unseres GPS Tracks lagen ca. 2300 Höhenmeter und 125 km vor uns – Puh, wir hatten uns schon vorsorglich bei Max abgemeldet, dass wenn wir das an einem Tag nicht hinbekommen wir irgendwo über Nacht bleiben. Es war bewölkt und eher kühl also ideal zum radeln und wir kamen ganz gut voran; wir wurden von vielen Rennradfahrern überholt und gefühlt kamen uns tausend entgegen. Wir fragten uns die ganze Zeit, wann die denn aufgestanden sein mussten, dass sie schon wieder zurück sind, doch als wir Richtung Teide abgebogen sind wussten wir, dass die Rennradler nur vom nächsten Tal rauf gefahren sind und ins nächste Tal wieder zurück fuhren. Neill meinte: “ich schreib jetzt Jon als wir bei 1100 Höhenmeter waren, dass wir jetzt viermal den Jochpass geradelt sind und noch fünfmal vor uns haben”. Ganz weit oben sahen wir immer ein kleines Stück blauen Himmel und das war unser Ziel.

Wir radelten ganz gemütlich bei einem Schwätzchen dahin, als ich plötzlich einen Schlag auf meinem rechten Oberarm spürte und kurz darauf einen Schuss hörte – ich sagte zu Neill: ” ich glaub ich bin angeschossen worden” und Neill antwortete mir: ” ich auch – schau dort oben der Jäger wollte wohl ein Rebhuhn oder irgend etwas anderes treffen und er hat auf die Straße gezielt und die Schrottkugeln haben dann uns getroffen” . Ich blutete am Arm und Neill hatte am Rücken einen Kratzer – wir waren stinksauer dass könnt ihr euch bestimmt vorstellen und schrien den Jäger in allen uns bekannten Sprachen an, der winkte nur und suchte das Weite. Nach einer Schrecksekunde fuhren wir dann mit etwas weichen Knien weiter; ich bzw. wir sind noch nie angeschossen worden und irgendwie konnte ich meine Entrüstung und meine Wut über diesen Trottel von Jäger überhaupt nicht zügeln, nicht auszudenken, was da passieren kann, wenn die Kugel ins Auge trifft. Ein vorbeifahrendes Polizeiauto haben wir dann angehalten und dem Polizisten erklärt, dass weiter unten ein Jäger auf Radfahrer schießt – er hat sofort umgekehrt doch wahrscheinlich hat er ihn nicht mehr erwischt.

Nach dem Mittagessen waren wir echt super motiviert und kamen langsam an die Wolkengrenze und drüber begrüßte uns herrlicher Sonnenschein – unbeschreiblich das ist wirklich Flugzeugmodus – du radelst und unter dir liegt eine dicke Wolkendecke. Als wir oben auf 2100 Meter Meereshöhe waren, entschieden wir uns oben zu übernachten – wir radelten vom Kraterrand das ganze Tal entlang Wahnsinnig – Unbeschreiblich – mit Worten nicht zu erklären. Am Hotel angekommen, wollten wir noch draussen ein Bier trinken bevor die Sonne untergeht doch es war leider zu kalt und im Hotel brannte ein offenes Feuer im Kamin. Überwältigt von diesen Eindrücken und einem Sternenhimmel, den ich so noch nie gesehen hatte gingˋs ab ins Bett.

Am 5.11.18 fuhren wir zur Talstation der Bergbahn und wurden von tausenden Menschen begleitet, die mit dem Auto oder Bus hier raufgefahren waren. Wir haben diesen Vulkan in einer Länge von 2560 Höhenmetern genossen, dass wir uns die Bergfahrt mit der Bahn geschenkt haben. Wir fuhren zurück und nach knapp 3000 Metern bergab war uns saukalt und unsere Hände waren vom Bremsen fast taub.

Als wir um 14 Uhr wieder in der Marina ankamen, waren wir immer noch geflascht von einem genialen megageilen Radlausflug.

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