Lombok mit dem Fahrrad entdecken

Nachdem wir jetzt schon fast zwei Wochen hier in Tanjung sind und gefühlt jedes Teil, was wir in die Hand nehmen kaputt geht, haben wir uns spontan zu einem Kurzurlaub mit dem Fahrrad entschlossen. Dewi, eine sehr hilfsbereite Bekannte hier aus Tanjung meinte, dass wir uns unbedingt Sembalun anschauen sollten, denn es liegt nur ca. drei Autostunden entfernt von Tanjung in den Bergen. Daraufhin meinte ich, dann können wir doch hinradeln, doch sie meinte nur nein, dass geht nicht, es ist viel zu steil, doch etwas nicht gehen gibt es fast nicht für uns und so schauten wir in Alltrails nach einer Route und fanden einen gigantischen Rundkurs durch die Berge. Für die erste Nacht hatten wir uns, auf Dewis Ratschlag, ein für indonesische Verhältnisse wahnsinnig teures Hotel ausgesucht und zwar das Rinjani Lodge in Senaru. Hier soll es außerdem noch einen fabelhaften Wasserfall, den Tiu Kelep geben. Laut unserem Track nur ca. 56 km und nur so um die 1000 Höhenmeter also alles machbar.

Durch die Reisfelder

Wir brachen am Samstag morgen auf und verließen ziemlich bald die Hauptstraße, radelten entlang eines Bewässerungsgrabens durch die Reisfelder. Wir entdeckten Gegenden, die bestimmt kaum ein Tourist vor uns gefunden hat, denn die Einheimischen waren absolut erstaunt über unser erscheinen. Wir folgten den grob schlotterigen Wegen und unserem Track, der, wie sich bald herausstellte nicht der Realität entsprach. Eine Brücke, war wohl dem starken Regen zum Opfer gefallen, was für uns leider bedeutete, runter ins Tal zu fahren und die Höhenmeter dann erneut wieder zu erklimmen. Aber wie sagt Neill immer, wir sind ja jung und fit und das macht uns doch gar nichts aus. Als die zweite Brücke zum Glück notdürftig repariert war, freuten wir uns wie Schnitzel doch das dicke Ende kam am Schluss. Laut unserem Track sollte eine Straße um bzw. durch die Schlucht vorhanden sein, aber leider FEHLANZEIGE !!

So ungefähr sahen unsere Brücken aus

Langsam fing es zu regnen an, was hier auf dem Schotter und Lehm zunehmend gefährlich und rutschig wurde, also jetzt mussten wir wirklich bis ganz runter bis zur Hauptstraße abfahren. Glücklicherweise stoppte der Regen bis wir unten waren und uns überlegten, was wir jetzt machen. Bis zu unserer Unterkunft nach Seranu waren es noch 17 Km und alles Bergauf und mittlerweile war es 18 Uhr geworden und es regnete in Strömen. Wir hatten uns an einem Obststand untergestellt und Wina, die Verkäuferin, besorgte uns einen Truck, der uns und unsere Fahrräder nach Seranu brachte.

In unserem Mega Hotel angekommen, gab es erst einmal eine heiße Dusche bzw. für mich ein heißes Bad, ich glaube das war das erste mal, dass ich ein Vollbad im Freien genossen habe. Ich in der heißen Wanne und zwanzig Zentimeter neben mir der Garten und Regen, echt genial. Nach einem ausgiebigen Abendessen, beschlossen wir, dass wir noch eine zweite Nacht hier in diesem tollen Hotel bleiben werden, damit wir auch den eigenen Pool genießen können.

unser privater Pool

Am nächsten Morgen nahmen wir den Tiu Kelep Wasserfall, der in ca. zwei Kilometer Entfernung lag, in Angriff, eigentlich sind es ja zwei Wasserfälle, einer ganz nah und zum zweiten sollte man sich dann besser einen Guide nehmen. Aber das war wirklich nicht nötig, der Weg war ziemlich gut gewartet und wir mussten nur ein paar mal unsere Schuhe ausziehen und durch den Fluß waten. Als wir den Wasserfall erreichten, fing es dann zum regnen an und zwar tropischer Regen, also wie wenn man Eimer über uns ausschütten würde, doch kein Problem, wir wussten ja, das in unserem Hotel eine warme Dusche auf uns wartet.

Tiu Kelep Wasserfall

Am 26.02. morgens um 8 Uhr zogen wir los nach Sembalun, laut Google nur 33 km, denn wir hatten unsere Lektion gelernt, keine Nebenstraßen mehr zu benützen und ca. 1300 Höhenmeter. Also auf so kurze Strecke soviel Höhenmeter, das bedeutet steil und es war sau steil, manchmal fast senkrecht, doch mit schieben und Schlangenlinien fahren kamen wir oben an. Doch leider war hier alles in dicke Wolken gehüllt, wir suchten unser Hotel, aßen zu Abend und ab in die Falle, den am nächsten Morgen um 7 Uhr gab es Frühstück und der Himmel war wolkenlos und wir konnten den Mount Rinjani in vollen Zügen bestaunen.

Mount Rinjani

Wir radelten noch zum Bukit Selong, einem genialen Aussichtspunkt, von dem aus wir die Felder, wo die verschiedensten Obst- und Gemüsesorten angebaut werden, bestaunen konnten. Wirklich ein erhabenes Gefühl hier zu stehen und zu wissen, dass der Mount Rinjani auf 3600 Metern liegt, aber der Vulkan ist während der Regenzeit geschlossen, deshalb konnten wir ihn nur von unten anschauen, Gott sei Dank.

Bukit Selong

Dann kam der angenehme Teil, die Abfahrt und nach 60 km machten wir noch einmal eine Rast und blieben über Nacht, als ob wir es gewusst hätten, denn kurz nachdem wir im Hotel waren, fing es wieder zu kübeln an, doch wir waren wieder einmal verschont worden. Die ganze Nacht regnete es mehr oder weniger, doch als wir so gegen 8.45 Uhr los radelten, war es wieder trocken. Wir haben mal wieder wahnsinniges Glück mit dem Wetter gehabt und sind wirklich beim radeln kaum nass geworden und das in der Regenzeit; hoffentlich bleibt uns der Wettergott weiter gnädig.

Wen es interessiert, hier sind unsere Links zur Route:

Lombok Cycling
Day 1: https://www.alltrails.com/de/explore/recording/aktivitat-28-februar-2024-c3c617a
Day 2: waterfall walk
Day 3: https://www.alltrails.com/de/explore/recording/aktivitat-28-februar-2024-d863d5e
Day 4: https://www.alltrails.com/de/explore/recording/aktivitat-28-februar-2024-e9bf14a
Day 5: https://www.alltrails.com/de/explore/recording/aktivitat-28-februar-2024-2c60e40

Alle unsere Bilder von Indonesien sind in Google.

Unser Trip nach Lombok

Das es eine lange anstrengende Reise nach Lombok wird, darauf hatten wir uns eingestellt, doch “wenn einer eine Reise tut, da kann er was erleben” und dann auch davon erzählen. Neill hatte unsere Route so geplant, dass wir möglichst die starken Strömungen umgehen können und die ersten 80 Seemeilen sollten wir dann im Windschatten einer lang gezogenen Insel bleiben um anschließend gegen den Wind, der laut Vorhersage zwischen 10 und 15 Knoten sein sollte zu segeln. Davo, unser Wetterrouter hat ebenfalls seine “Wetterzentrale” aufgebaut, was bedeutet, dass er sämtliche Wind- und Wetter Programme durchforstet und uns über unser Garmin Informationen zukommen lässt.

Wir waren noch nicht mal 40 Seemeilen im sogenannten Windschatten der Insel, als uns ein Sturm ereilte, Windstärke ca. 30 Knoten und ganz sonderbare Verwirbelungen im Wasser, wirklich sehr sehr seltsam. Zu allem Überfluss wurde unser Traveller (Wörtlich Laufkatze, eine Querschiene im Cockpit mit einem Schlitten, auf dem das Hauptsegel angeschlagen ist) aus der Verankerung gerissen. Zum Glück können wir bzw. Neill mit meiner Hilfe fast alles notdürftig reparieren und nach 45 Minuten war der Spuck vorbei und der Wind auch, also Motor einschalten. Davo schrieb, nach allen Wettervorhersagen müsstet ihr Wind haben, doch Fehlanzeige. Das blöde hier in Indonesien ist, dass wir uns nicht einfach treiben lassen können, da uns die Strömung ansonsten wieder in die Richtung treibt, wo wir hergekommen sind.

Das ist unser reparierter Traveller

Nach zwei Stunden Motor kam dann endlich wieder Wind und wir segelten mit fünf Knoten durch die Nacht, mit der Genoa (dem großen Vorsegel) machten wir wirklich Strecke, doch inzwischen den massenhaften unbeleuchteten Fischfallen war das Risiko zu groß, denn lieber später ankommen als gar nicht und so reduzierten wir Segel und drifteten mit zwei Knoten, zum Glück in die richtige Richtung.

Unser Diesel bestand ist nie ein großes Ding, wir füllen immer voll und da wir ja immer segeln hatten wir bisher nie Probleme doch hier auf den kleinen Inseln gibt es keinen hochwertigen Diesel zu kaufen und die Mischung der Fischerboote sind für unseren Motor nicht gut. Aber als wir noch ca. 80 Seemeilen von Lombok entfernt waren, war unser Diesel fast aufgebraucht, doch zum Glück gab uns ein vorbeifahrender Fischer 20 Liter von seinem Sprit und damit konnten wir nach Badas kommen.

Was waren wir erleichtert, als wir bei der Einfahrt in den Hafen ein Segelboot sahen, denn seit Sorong, also die letzten 2500 km haben wir kein anderes Segelboot mehr gesehen. Was noch viel besser war, dass wir das ein Boot kannten. Moonriver, ein neuseeländische Familie, die mit ihren vier Jungs unterwegs sind und die wir an Weihnachten in Wayag kennengelernt hatten, lagen hier, um ihre Visas zu verlängern. Sie liehen uns ihre Diesel Kanister und hatten außerdem noch eine Telefonnummer von einem Taxifahrer, der uns erst zum Geldautomat und dann zur Tankstelle gefahren hat. Vollgetankt hoben wir den Anker, bzw. wollten wir, denn unser Ankerwinch Motor streikte so hat Neill mal eben die 30 Meter Kette selbst rausgezogen und somit stand fest, dass wir kein weiteres Mal ankern sondern direkt nach Lombok fahren. Nach 24 Stunden mit dem Motor sind wir in der Medana Bay Marina angekommen und haben uns an einer Boje festgemacht. Wir haben den ersten Schritt für unsere Visa Verlängerung eingeleitet und uns dann mit einem Brunch belohnt.

Unser wohl verdienter Brunch

Nächste Woche werden wir dann die ganzen Reparaturen in Angriff nehmen, ganz normales Seglerleben, aber immer noch haben wir Spaß daran und wachsen an unseren Herausforderungen.

Lombok Medana Bay Marina

Ein paar Tage in Basokeng Sulawesi

Schön nach zwei Nächten auf See, wieder den Anker zu setzen und keine Nachtwache mehr zu halten und einfach durchschlafen zu können. Wir wollen hier endlich mal am Festland Sulawesi an Land gehen. Bei unserem ersten Spaziergang haben wir gleich zuschauen dürfen, wie ein Hochzeitsgeschenk gebaut wird. Als wir an einem Restaurant vorbei gelaufen sind, wurden wir auf Englisch angesprochen und waren ganz erstaunt. Aul, die Tochter der Restaurant Besitzer studiert Englisch und hat uns gleich zum Essen eingeladen, wir haben zum ersten Mal Krabbe gegessen (komplett am Stück gebraten) und ich hatte absolut keine Ahnung, wie ich dieses Ding zerlegen soll, doch Aul war uns behilflich und mit vereinten Kräften haben wir das wenige Fleisch der Krabbe gefunden. Aul fragte uns, ob wir ihr Haus bzw. der Familie sehen möchten und natürlich waren wir gleich interessiert. Wir fuhren mit dem Auto immer tiefer in die Insel auf einer Straße, wo die Schlaglöcher fast die Autos verschlucken. In ihrem Elternhaus angekommen war dann die halbe Verwandschaft da, ein Onkel der für die Staatsregierung kandidiert hat unseren gesamten Besuch gefilmt und natürlich gab es Selfies mit jedem.

Aul war so Stolz darauf, uns alles zu zeigen und wir waren so unglaublich dankbar und haben alle Onkel und Tanten, Großmütter und Großväter der Familie besucht und überall Kaffee, Tee und natürlich Kekse dazu bekommen. Für den Abend wurden wir noch zum Volleyball spielen eingeladen, doch da zuvor ein starkes Gewitter den Platz unter Wasser setzte, wurde das Spiel leider abgesagt. Aul wollte auch unser Boot sehen und am nächsten Tag holten wir sie, ihren Onkel und ihre Schwester im Dinghy ab, um unser Boot zu zeigen. Wir sind extra früh aufgestanden, um frische Brownies zu backen, doch leider war Aul so seekrank, das ihr Besuch nach ca. dreißig Minuten schon wieder vorbei war, die Brownies haben wir ihr besser mitgegeben. Zurück an Land war sie wieder fit und wir besuchten gemeinsam das nahe gelegene Schwimmbad – unser erstes Mal schwimmen in einer 100% muslimischen Region, also nix mit Bikini sondern mit T-Shirt und kurzer Hose, wobei die Einheimischen mit Kopftuch, langen Blusen und langen Hosen schwimmen.

Besuch im Schwimmbad

Am Sonntag auf dem lokalen Markt konnten wir dann noch frisches Obst und Gemüse kaufen, denn nach den Wetter- und Strömungsvorhersagen sollte es für uns bald weiter nach Lombok gehen. Dort müssen wir bis spätestens 19. Februar unser Visa verlängern lassen, denn die Strafen bei Nichteinhaltung der Zeit sind beträchtlich.

Aul, eine ihrer Großmütter und ich vor ihrem Restaurant

Auf der Suche nach Internet

Das hört sich jetzt wahrscheinlich etwas seltsam an, doch ohne Internet haben wir keine Möglichkeit den aktuellen Wetter- bzw. Windbericht abzurufen, wir können nicht mit unseren Familien kommunizieren und kein Online Banking oder ähnliches machen. Eine Freundin von mir sagte erst kürzlich: “Internet ist das 5. Element” und wie recht sie hat. Wir hatten in Saumlaki unsere SIM Karten gekauft und auch sehr darauf geachtet, dass unser Datenguthaben immer ausreichend ist. Neill hat extra nochmal Daten gekauft, damit alles passt. Unser nächster Ankerplatz war ein kleiner Inlandsee mit einem etwas verwinkeltem Eingang und wir dachten schon, dass hier das Internet wahrscheinlich nicht geht. Doch zu unserer Überraschung war auf der anderen Seeseite ein großer Handymast, aber wir hatten keinen Empfang nur für Notrufe, komisch??

hier ist die Eingangspassage

Also dann bestimmt am nächsten Tag, wenn wir an einer Stadt vorbeikommen, aber leider Fehlanzeige. Dann haben wir angefangen nachzurechnen, wie lange wir den schon in Indonesien sind und Neill hatte irgendwann einmal etwas gehört, dass bei Ausländern nach 90 Tagen die SIM Karte gesperrt wird, wenn das Telefon nicht in Indonesien gekauft wurde. Also was tun, wir liefen die Stadt Sikili an und wollten uns dort im Telefonladen beraten lassen, nur das es das hier nicht gab. Also haben wir uns ein gebrauchtes Handy gekauft, eine neue SIM Karte, für die wir nicht einmal einen Ausweis brauchten und jetzt sind wir wieder online. Das ganze war zwar ziemlich schwierig, denn hier nach Sikili verirren sich kaum Ausländer und deswegen konnte keiner unser Problem verstehen. Aber nach viel Hin und Her haben wir es doch hinbekommen.

Sikili mit Moschee und Bergen im Hintergrund

Da wir immer wieder Schwierigkeiten mit der Sprachbarriere haben, haben wir ein Fotobuch gemacht, dass zeigt, wo wir herkommen, unsere Familien, unser Boot von Innen und Außen, unsere Reiseroute usw. nur Bilder, kein Text. Dieses Buch ist wirklich Gold wert, denn so können wir den Menschen hier zeigen, was sie wissen wollen. Es war wirklich genial, dass Michael im Dezember kam und es uns mitgebracht hat.

Hier mit den Damen im Handyladen
So sieht das Buch aus

Nachdem wir uns dann auch wieder mit Obst und Gemüse eingedeckt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg.

Westwärts nach Sulawesi

Nach so langer Zeit in und um Sorong haben wir uns auf den Weg in Richtung Westen gemacht. Wie wir seit unserem Trip nach Wayag wissen, ist nicht nur der Wind hier in Indonesien, nein auch die seltsamen Strömungen zu beachten. Laut “Windy, das ist das Wetterprogramm, das wir benutzen und in dem auch die Strömungen stehen”, sollen die Strömungen ja nie so stark sein, schlimmstenfalls so um die zwei Knoten, doch wir haben bereits Gegenströmungen von vier Knoten gefunden.

Am ersten Tag haben wir dann wunderschön und wieder ganz alleine in Pulau Ayemi geankert, zwar nur nach 24 Seemeilen, doch hier stimmte die Richtungsangabe der Strömung und wir wären nicht vorwärts gekommen. Aber dann nach acht Tagen segeln, motoren und herumdriften waren wir doch 600 Seemeilen westlicher in Sulawesi, einem Bundesland von Indonesien. Neill hatte als Kind ein Buch über diese Insel gelesen und freute sich wie ein Schneekönig, jetzt hier zu sein.

Pulau Ayemi

Auf der Insel Buton konnten wir dann endlich mal wieder unsere Füße vertreten und vielleicht auch etwas Gemüse oder so kaufen. Leider ist die Sprachbarriere ein Grund, weshalb die Konversation etwas zu kurz kommt, doch wir konnten uns soweit verständlich machen, das wir Tomaten kaufen möchten. Wir haben diese sogar geschenkt bekommen und am nächsten Tag ging es in die “Big City” Raha .

Moschee von Raha

Wir fuhren mit unserem Dinghy in die Stadt, wo wir gleich von Taxifahrern begrüßt wurden, sie wollten uns auf ihren Rollern zum Basar fahren. Ihnen war wirklich anzusehen, dass sie nicht verstanden, dass wir laufen wollten. Entlang der Promenade wurden wir von 10 Rollern mit Schülerinnen überholt und alle winkten und riefen “Hallo Mister, Mister”, wir trafen die Mädels dann an einem Getränkestand und kamen ins Gespräch, Gott sei Dank gibt es Google Translate. Nach den obligatorischen Fotos zogen wir weiter und als uns der Regen zu stark wurde, stellten wir uns bei einem Haus unter. Plötzlich ging die Türe auf und Munir bat uns zu sich und seiner Frau, die Englisch sprach, ins Haus. Wir erzählten von unserer Reise und Aisyah erklärte uns, wie das hier mit der Schule, den Schuluniformen und der Schulpflicht ist. Bevor wir unseren Weg zum Markt fortsetzten, wurden wir noch mit Honig beschenkt, ist das nicht unglaublich; diese Freundlichkeit, die wir wieder erfahren ist einfach fantastisch.

Aisyah und Munir

Anschließend auf dem Markt, gab es dann Gemüse und Obst in Hülle und Fülle. Beim Fisch war ich etwas zurückhaltend, denn da müssten wir doch gleich fünf auf einmal kaufen und das war dann leider doch zu viel.

Wayag

Nach unserer zweiten Nacht auf See erreichten wir im Morgengrauen Wayag, die unbewohnten und unglaublich malerischen Wayag-Inseln sind ein Wahrzeichen von Raja Ampat und für ihre wunderschönen Atolle und Panoramen bekannt. Die großen Boote, mit denen die Tauchtouristen ankommen, ankern am Eingang und im Archipel sind nur kleine Segel- bzw. Motorboote zu finden. Es gibt die Möglichkeit auf zwei Berge zu steigen und den Ausblick zu genießen, was wir natürlich auch gemacht haben. Nach dem steilen Anstieg öffnet sich der Blick über Wayag und es ist einfach nur Atemberaubend!!

On Top of Wayag

Weihnachten feierten wir gemeinsam mit fünf anderen Booten aus Neuseeland, Spanien und Australien; jeder brachte etwas zu essen mit und so hatten wir ein überaus abwechslungsreiches Büffet mit Köstlichkeiten aus den verschiedenen Ländern und ein gemütliches Beisammensein.

Wayag

Wir sind unglaublich viel und lange geschwommen und haben den großen Pool intensiv genossen, keine Quallen und nur kristallklares Wasser. Bei einem Ausflug zur Rangerstation sind wir dann noch mit Blacktip Reef Haien geschwommen, auch etwas ganz neues für meinen Sohn, denn wir waren es von Polynesien schon gewöhnt.

Nach fünf traumhaft schönen Tagen, machten wir uns auf den Rückweg nach Sorong. Wir ankerten ein paar mal und bei der Insel Pulau Gof Besar konnten wir nochmal einen Berg besteigen; na ja Berg ist eher übertrieben aber trotzdem schön.

Pulau Gof Besar

Unser Silvester war etwas vollkommen neues, wir ankerten vor der Stadt Waisai und um kurz vor 22 Uhr hoben wir den Anker und fuhren nach Sorong. Um Mitternacht genossen wir das Feuerwerk ohne Lärm und am Neujahr Morgen waren wir zurück in Sorong.

Nach drei einhalb Wochen musste ich meinen Michael leider wieder nach Deutschland fliegen lassen, doch wir hatten eine fantastisch schöne Zeit zusammen. Wir haben so viel zusammen erlebt, Dinghy Ausflüge gemacht, Sternenbilder angeschaut, Sternschnuppen gesehen und vieles vieles mehr.

Michael ist da !!

Ich glaub es gerade selber kaum und wenn ich nicht nachgeschaut hätte, würde ich es nicht glauben, doch das erste Mal sind wir am 21.11.2023 in Sorong angekommen. Mein Sohn Michael hat mich vor zwei Wochen damit überrascht, dass er uns hier besuchen kommt. WAHNSINN!! Wir haben gleich geschaut, was es den hier so zu sehen gibt und das wirklich Beste soll Wayag ein Archipel in Raja Ampat sein. Natürlich wollten wir Michael ganz langsam an die Seglerei gewöhnen, denn er war vorher noch nicht segeln, aber ich sagte zu Neill, dass ich so gerne einmal über Nacht unterwegs sein möchte, um ihm den sagenhaften Sternenhimmel zu zeigen.

Wir holten ihn am Flughafen ab, wo er nach fast 40 Stunden Reisezeit etwas müde und erholungsbedürftig aussah, er musste sich auch noch an die 35 °C gewöhnen und die Luftfeuchtigkeit von ungefähr 70 % ist auch nicht zu verachten. Aber schlafen stand erst später auf dem Programm, damit er sein Jetlag besser in den Griff bekommt. Die erste kleine Segeltour führte nach Soop und dort schnorchelten wir ausgiebig, ich freute mich so sehr für Michael, dass wir wirklich wunderschöne Korallen und verschiedene Fische sahen. Bei einem Spaziergang über die Insel, lernten wir Martin und seine Familie kennen, die uns dann später auf unserem Boot besucht hatten. Unser Plan war, relativ zügig nach Wayag zu kommen, dort viel Zeit verbringen zu können und dann beim Heimweg keinen Stress zu haben, damit wir locker bis zum Abflug wieder da sind.

Michael ist da !!

Wir hatten richtig Glück mit dem Wind, denn wir segelten mit vollem Genoa und Hauptsegel und Michael war so cool, als ob er noch nie etwas anderes gemacht hätte. Keine Übelkeit bei stärkeren Wellen und keine Angst bei mehr Wind, vielleicht hat er das von mir :-). Gleich die erste Nacht segelten wir durch und Michael bekam gleich einen schlechten Eindruck, was Übernachtsegeln bedeutet. Der Wind drehte ständig, die Strömung war komisch und stark, doch gegen Morgen ankerten wir in Arborak.

Wir machten zwei Drift Schnorchelgänge, bei einem machte Michael leider auch eine schmerzhafte Erfahrung mit einer Qualle, doch zum Glück war es nach einem Tag schon fast wieder vergessen. Am Nachmittag besuchten wir die Insel, wo es nicht viel zu entdecken gab, außer einer deutsche Familie, die sich furchtbar über die Unterkunft beschwert hat und ihre drei Wochen Aufenthalt dort nicht verbringen wollten. Wir verabschiedeten uns und am nächsten Morgen schnorchelten wir noch am Bootssteg, wo das Wasser kristallklar war und wir fast durch Fische schwimmen mussten. Auf dem Rückweg zu Artemis haben wir dann noch Mantas gesehen, einen aus dem Wasser springen und zwei sind direkt an uns vorbei geschwommen. Wow, so majestätische, giantisch große Tiere so nahe erleben zu dürfen. Nach noch zwei Tage erreichten wir Wayag.

Erster Blick auf Wayag

Pulau Sabuda

Neill erzählte mir, dass unser nächster Halt die Insel Pisang, die übersetzt Bananen Insel heißt, sein wird. Ich wollte die Route machen, konnte aber diese Insel nicht finden, denn in den Karten hat sie den Namen Pulau Sabuda und nur die Einheimischen nennen Sie Insel Pisang. Er hatte diesen Ankerplatz in Zulu Waterways gefunden und wir wollten ihn unbedingt ausprobieren, denn laut Beschreibung ist es eine Aussparung im Rief einer unbewohnten Insel. 

Pulau Sabuda

Unsere atemberaubende Reisegeschwindigkeit mit durchschnittlich einem Knoten war selbst für den Autopiloten nicht geeignet und wir steuerten fast die ganze Nacht über von Hand. Doch im Morgengrauen tauchte die Insel vor uns auf, das Wasser grün, der Strand weiß und Palmen, traumhaft schön. Ein paar Fischerboote waren ebenfalls unterwegs. Ganz langsam und vorsichtig tasteten wir uns vorwärts, ich am Bug, um Ausschau nach Korallen zu halten, Neill hatte den Tiefenmesser im Auge und als der Untergrund etwas heller wurde, ankerten wir in 16 Meter Tiefe.

Am Strand lagen 10 Fischerboote und wir waren weit entfernt, doch bei Niedrigwasser war ein riesiges Rief zu sehen und unsere Distanz war gar nicht mehr so groß. Die Einheimischen wirkten uns zu und riefen uns ein “Selamat Siang”, was Guten Tag bedeutet und wir antworteten ebenso und winkten zurück. 

Am nächsten Morgen genossen wir unser Frühstück im Cockpit und anschließend paddeln wir an Land, mit einer Frisbee und einem Ball ausgestattet wollten wir uns mit den Einwohnern bekannt machen. Wir begannen mit der Frisbee zu spielen und schon waren wir von neugierigen Kindern und Erwachsenen umringt. Jeder wollte mit diesem komischen Ding mit uns spielen und es war super lustig. Fiorika, eine junge Frau, sprach etwas englisch und mit Hilfe von Google Translate erzählte sie uns, dass ca. 30 Personen angefangen vom Baby bis zur Oma, mehr oder weniger eine große Familie, für ca. einen Monat hier auf dieser Insel leben um zu Fischen und Kokosnuss Öl herzustellen. 

Wir gingen am Strand spazieren, wobei uns Fiorika und die Kinder begleiteten, danach wurden wir zu einer Kokosnuss und Kaffee ins Dorf eingeladen. 

Dandi

Mit ca. acht Dorfbewohnern machten wir eine Kanufahrt, sie zeigten uns die anderen Buchten,  wir fuhren ganz nahe an den Felsen entlang und im seichten Wasser folgten wir einem Rochen. Dandi, Fiorikas Mann kletterte flink wie ein Affe die Palmen hoch, um die Kokosnüsse zu ernten und anschließend schwammen wir gemeinsam im glasklaren Wasser. 

Wir fragten ob die Insulaner auch unser Boot anschauen wollten, denn wir haben mittlerweile festgestellt, dass wir für die Einheimischen genauso interessant sind wie umgekehrt. Nachdem unsere Artemis ja nicht so groß ist, vereinbarten wir, dass immer nur vier Leute auf einmal kommen. Irgendwie hat das nicht so geklappt, denn wir waren kaum mit den ersten Besuchern an Bord, war schon ein Kanu mit weiteren acht da, okay, dann eben alle auf einmal. Am meisten hat die Männer unsere Windsteuerung beeindruckt, denn Neill erzählte, dass sie ganz alleine und ohne Motor das Boot steuern kann. Die Satellitenbilder der umliegenden Inseln, die wir zur Navigation verwenden, waren auch sehr interessant. Wir zeigten ihnen auch unseren Fotobücher, unsere Familie und unsere Heimat mit Bergen und Schnee.  Zu Keksen und selbstgemachtem, kühlen Wasser ließen wir es uns gut gehen. 

Unsere Kanufahrt

Am Abend wurden wir zum Lagerfeuer am Strand eingeladen, das extra für uns aufgebaut wurde. Wir brachten Pizza mit und zu den Tönen von einem riesigen Ghettoblaster tanzten und sangen wir alle gemeinsam ums Feuer. Fiorika erzählte uns, dass hier viele Boote ankern würden, aber keine “Weißen” kommen an Land. Wir schrieben in unserem Google Translator, dass wir das sehr schade finden und dass sie so viel verpassen, denn wir genossen die Gesellschaft dieser Menschen.

Das hat sie sehr gefreut und als wir am nächsten Tag den Anker hoben, war das ganze Dorf versammelt und hat zum Abschied gewunken.

Was für ein tolles Erlebnis und auch die Kinder waren überglücklich, dass wir die Frisbee und den Ball da gelassen haben.

Die Inselkinder

3 Wochen in Indonesien

Es ist echt kaum zu glauben, dass wir schon drei Wochen hier sind und bereits 500 Seemeilen gesegelt sind. In unserer tollen Ngiar Beach hat auch ein französisches Boot geankert und seit ewiger Zeit haben wir mal wieder “europäische Segler” getroffen. Wir wurden zum Sundowner eingeladen und haben eine Flasche Wein und Pizza mitgebracht, es wurde ein super lustiger Abend mit Virginie, Patrick und ihrem Sohn Hippolyte. Am nächsten Morgen legten beide Boote ab und wir hoffen Sie in Sorong oder in Raja Ampat wieder zu treffen.

Hier in Indonesien gibt es eher leichte Winde, so dass wir wieder mit unserem Parasailor unterwegs sind. Manchmal ist es unvorstellbar, mit so wenig Wind überhaupt segeln zu können, unsere Windsteuerung (Chiara) spürt den Wind jedenfalls nicht und verweigert ihren Dienst. So steuern wir oft selber oder benützen unseren Autopilot (Steven), was den Nachteil hat, das er eben Elektrizität braucht.

Während meiner Nachtschicht mitten im Nirgendwo, hatte ich plötzlich Internet und zwar soviel, dass ich mit meinem Sohn Michael problemlos telefonieren konnte. Die Seekarten hier sind ungenau und oft falsch und so hat Neill in seiner Schicht Satellitenbilder heruntergeladen, damit wir nicht ganz im Blindflug unterwegs sind. Als der Wind dann aufgehört hat, haben wir mal kurz eine “Internet Pause” eingelegt und für drei Stunden in Pulau Gorong geankert, dann ging’s weiter nach Fakfak. Der Ort hier heißt wirklich so und ist laut Internet bekannt für seinen Muskatnuss Anbau.

Wir haben erstmal einen Landspaziergang gemacht, wir sind hier wirklich ein außergewöhnliches Ereignis, denn jeder will ein Foto mit uns haben. Im ersten Ort, wurden wir zu einer ehemaligen Lehrerin geführt, denn Imelda konnte Englisch und sie übersetzte den ca. 20 Kindern, das wir mit einem Boot von Schottland hierher gesegelt sind.

Am nächsten Tag stand Fakfak auf dem Plan, wir wollten mit dem Taxi bzw. Kleinbus dahin und als wir in Uni Pokpok mit unserem Dinghy ankamen, liefen die Kinder uns schon im Wasser entgegen. Einer machte das Dinghy an der Boje fest und als wir an Land fragten, ob es in Ordnung wäre grinste uns der Mann an und meinte: OK. Nach wieder gefühlt zwanzig Fotos mit allen Kindern und Omas, zeigten uns die Leute, wo wir den Bus anhalten konnten. Der Busfahrer kam und los ging’s, erst wollte er keine anderen Fahrgäste mitnehmen, doch wir meinten, dass wäre schon ok und so füllte sich der Kleinbus mit 10 weiteren Leuten.

In Fakfak war eine Veranstaltung im Gange und wir wussten nicht genau was da los war, deshalb sind wir näher ran und haben festgestellt, dass es sich um einen Tanzwettbewerb handelte. Die Musik war gut und als dann ein Twist kam, hab ich natürlich auch zu tanzen angefangen und eine andere Frau hat mich bei der Hand genommen und gemeinsam haben wir dann getwistet, so witzig.

Wir haben den Markt durchstöbert und wieder Obst und Gemüse gefunden, die wir nicht kannten. Auf unserem Rückweg haben wir nochmal beim Fest vorbeigeschaut und die Damen haben gemeint, dass wir zu spät dran wären, den die Tänze seien schon vorbei. Wir beruhigten die Mädels und Neill zeigte ein Video von meiner Tanzeinlage und so kamen wir mit den Frauen ins Gespräch. Sie erzählten uns, dass hier der Jahrestag des Gesundheitsministeriums gefeiert wurde. Wir wurden zum Mittagessen eingeladen und als wir gefragt wurden, ob wir auch “Durian” probiert hatten, wussten wir nicht was sie meinten. Durian auch Stachelfrucht genannt, ist eine Spezialität von der Insel Papua und sofort wurde ein junger Mann losgeschickt um die Frucht zu kaufen, damit wir sie probieren konnten. Sie schmeckt ziemlich intensiv, süß und ist ziemlich fett. Interessant, doch zu unserer Lieblings frucht wird sie nicht werden. Später luden wir die Damen für den nächsten Tag auf unser Boot ein.

Fakfak und seine Menschen

Nach einigen WhatsApp Botschaften war dann klar, dass Dewi, so der Name unserer neuen Bekannte, mit ihrem Mann Ben und ihren Kindern kommt. Neill holte die vier ab und wir konnten ihnen unser Boot zeigen und gemeinsam Kaffee und Kuchen genießen. Ihre Tochter Ariel studiert Bauingenieur, sie spricht super Englisch und es war für uns echt erstaunlich, dass wir die Ersten waren, an denen Sie ihre Sprachkenntnisse ausprobieren konnte. Leider war ihr Sohn Ken seekrank und so mussten wir schnell Adieu sagen.

Mit dem Fahrrad nach Tual

Als wir an Allerheiligen hier an diesem traumhaft schönen Strand ankamen, wollten wir ja eigentlich nach Tual segeln. Doch der Wind hat nicht mitgespielt und deshalb haben wir einfach hier geankert. Neill schaute in Google Maps und meinte, dass wir auch mit dem Fahrrad dort hin radeln können. Bloß, das eigentlich von hier aus keine Straße geht, doch wir haben sogar eine Teerstraße gefunden. Also gesagt, getan; Eine Route gemacht, die Wettervorhersage studiert und los ging’s. Der Wecker klingelte um 6 Uhr und um 8 Uhr saßen wir bereits auf unseren Rädern und genossen endlich mal wieder Radler zu sein.

Unser Startpunkt

Wir fuhren vorbei an den frisch gerodeten Feldern, wo jetzt Bananen, Papaya und Kokosnüsse angebaut werden. Weiter ging es durch kleine Dörfer, wo uns jeder mit “Selamat pagi” (Guten Morgen) begrüßte, wir haben auch einen anderen Radler getroffen, Jan ist Holländer und arbeitet hier in einem Hotel.

Wir sind jetzt wieder in einem Land angekommen, wo Roller das Familienauto sind, nicht selten sind vier bis fünf Leute auf dem Roller, angefangen beim Baby bis hin zur Oma. Je näher wir der Stadt kamen, um so mehr Roller und Kleinbuse waren unterwegs. Wir fuhren über die Brücke, die Tual mit Langgur verbindet und haben den Hafen angeschaut. Es ist echt witzig, das Europäer hier wirklich etwas besonderes sind, denn jeder möchte ein Foto mit uns haben. Alle rufen schon von weitem: “Mister, Mister Foto Foto!”

Hier beim Mittagessen mit der Verkäuferin

Wir gönnten uns einen Kaffee und anschließend inspizierten wir den Supermarkt, um zu wissen, was es hier so alles gibt. Unser Mittagessen haben wir bei einem Stand an der Straße eingenommen: zwei Getränke, einmal gebratene Nudeln mit einem Spiegelei und das alles für 1,80 €. Nach unserem Einkauf machten wir uns auf den Heimweg; klar haben wir noch Tomaten, Auberginen und Bananen auf dem Rückweg gekauft und Neill war dann schon eher etwas überladen. Nach 45 km waren wir zurück an unserem Strand.

Wer möchte unsere Route könnt ihr hier sehen.

Und neue Bilder von Indonesien sind hier