Monte Verde

Auf das wir unsere Radlerei nicht ganz verlernen haben wir heute am 2.1.19 die erste Radtour auf den Monte Verde (was bedeutet grüner Berg) gemacht.

Wir haben unser Dingi beladen und konnten bei einer Norwegischen Familie, die wir in Portugal kennen gelernt haben fest machen und von der Marina aus starten. Wir sind 820 Höhenmeter und 25 Km geradelt; die gesamte Strecke war Kopfsteinpflastersteine und wir haben echt gemerkt, dass wir lange nichts mehr gemacht haben. Der steile Weg führte uns an Felswänden vorbei und wir genossen einen genialen Blick auch auf die andere Inselseite nur wurden unsere Bilder wegen der Bewölkung leider nicht so scharf. Oben auf dem Berg angelangt, wollten wir ganz vorne bis zu den ganzen Handy- und Fernsehmasten radeln doch ein Militärpolizist versperrte uns den Weg und meinte Stop; er ließ uns auch nicht aus den Augen bis wir nach ein paar Fotos – weg waren. Bergab mussten wir dann wirklich ab und zu stehen bleiben, um unsere Hände auszuschütteln, leider fanden wir keine Möglichkeit auch nur kurz mal ” ins Gelände ” zu gehen und so konnten wir auch keinen Trail fahren. Außer Ziegen, verdorten Maispflanzen, Palmen und ein paar dürftigen Grasbüscheln ist auch keinerlei Vegetation auf diesem grünen Berg zu finden.

Nach drei Stunden waren wir wieder zurück im Ort, wo wir uns für morgen nach der Fähre nach Santo Antao erkundigt haben, denn alle anderen erzählten uns, dass es dort unglaublich schön sein soll. Also dann nix wie los und morgen nehmen wir die Räder, die wir Gott sei Dank im Fischerclub über Nacht stehen lassen konnten, und erkunden die nächste Insel.

Silvester in Mindelo unter Palmen

Nachdem wir ja an Weihnachten ganz alleine auf dem Atlantik waren, haben wir es gestern in vollen Zügen genossen Silvester unter Menschen zu verbringen. Wir haben Christine und Werner kennen gelernt und uns auf Anhieb super gut verstanden und gemeinsam haben wir bei einem Glas Wein und Champagner (vielleicht auch zwei oder drei Gläsern) einen mega schönen Abend erlebt. Um Mitternacht gabˋs ein tolles Feuerwerk und die beiden Fähren im Hafen haben non stop ihre Nebelhörner betätigt, was dem ganzen einen besonderen Flair verliehen hat.

Anschließend gingen wir in die Stadtmitte wo eine riesige Bühne aufgebaut war und Live Musik spielte; wir trafen unsere Bootsnachbarn von beiden Seiten und auch ein norwegisches Paar, denen wir in Portugal begegnet sind, waren da. Ich glaub die ganze Stadt war auf den Beinen, vom Neugeborenen bis hin zu Oma und Opa haben alle getanzt, gesungen und gefeiert; ein buntes Bild von total schick (Abendkleid und Anzug) bis zum Schlafanzug war alles vorhanden. Gegen halb drei in der Früh machten wir uns auf dem Heimweg und Neill ruderte uns (downwind was nicht so anstrengend war) souverän zu unserer Artemis. Ein unvergessliches Erlebnis und ein genialer Start in 2019.

Kap Verde

Nachdem wir jetzt fast zwei Monate auf den Kanaren verbracht haben gingˋs heute los, Max machte sich um 8 Uhr auf den Weg um nach England zu fliegen und wir hatten die letzten Tage für Einkäufe genutzt und um 11 Uhr stachen wir in See.

Nach fünf Monaten zu dritt segeln, war es heut irgendwie komisch zu zweit abzulegen, alles zu verstauen, die Segel – genauer gesagt nur das Genoa – zu setzen, aber Max kaum zu glauben, wir haben es geschafft. Die Wind Prognosen sind gut und nach nur acht Stunden sind wir schon fast 40 Nm von Santa Cruz entfernt. Das nächste mal festen Boden werden wir in Kap Verde spüren und so beginnt heute wieder Segeln Tag und Nacht. Ich freu mich schon drauf, wieder neue Plätze zu erkunden und Dinge zu entdecken.

Der 1. Tag ist schon vorbei und wir haben 112 Nm gemacht; nach einer unspektakulären Nacht (wir haben kein einziges Schiff oder sonst irgend etwas gesehen) haben wir beschlossen, die Nachtschicht dahingehend zu verändern, dass wir beide schlafen und so alle zwei Stunden einfach schauen, ob Chiara alles im Griff hat und ob der Kurs passt. Wir segeln gefühlt auf einem leeren Meer nur Sonne, Wind und Wellen.

Die 2. Nacht verlief genauso ruhig und wir haben unseren Durchschnitt sogar auf 5 Ktn. gesteigert und kommen richtig gut voran; wenn der Wetterbericht sich nicht geändert hat, soll es morgen etwas weniger Wind geben – aber warten wir es ab. Vorher haben wir Besuch von einem kleinen Vogel bekommen. Für mich ist es schwer nachzuvollziehen, woher so ein kleines Wesen 100 Meilen von Land plötzlich herkommt – aber nett dass wir uns darüber freuen können.

……

23.12.18 heute ist ein Tag vor Weihnachten und bei uns gibt es absolut keinen Unterschied; wir sind weder im Stress noch hat sich etwas verändert. Letzte Nacht hab ich irgendwie schlecht geschlafen und ich bin öfter aufgewacht mit dem Gefühl das ich einen Ganzkörpermuskelkater vom Stabilisieren hab. Dafür hab ich dann nach dem Frühstück und nach dem Mittagessen ein Nickerchen gemacht und danach gings mir wieder gut. Wir sind jetzt in Höhe von Western Sahara und der Himmel ist trüb, nicht bewölkt nein es scheint eher als ob die Luft voll mit Sand ist. Neill hat heut doch tatsächlich ein Schiff entdeckt – da kann ich mit meiner Schwalbe, die ich gesehen hab nicht mithalten – und wir kommen richtig gut voran. Kaum zu glauben dass wir in 3,5 Tagen schon über 400 Nm hinter uns gebracht haben.

……

24.12. heute Nacht war richtig was los bei uns. 🙂 wirklich erst war soviel Wind dass wir den 3. Reef reinmachen mussten und ca. 1 Stunde später sagte der Wind gute Nacht. Um 2 Uhr haben wir das Jib und kurz darauf das Mainsail weggeräumt weil gar kein Lüftchen zu spüren war, vorher hatte Neill schon den Wassergenerator eingeholt, das hab ich komplett verschlafen. Wir gingen wieder ins Bett wurden aber wegen der Swell doch ganz schön hin- und hergeschaukelt.

So gegen halb acht hörten wir plötzlich Wind, raus aus den Federn und die Segel hissen. Wir bemerkten, dass wir ca. 6 Nm vom Kurs weggedriftet sind doch ohne Wind kann man leider überhaupt nichts dagegen machen. Als wir das Mainsail ganz und das Genoa wieder gesetzt hatten, sahen wir das Ausmaß des “Sandwindes”, unsere komplette Artemis sieht aus als ob sie sich einmal in Sand gewälzt hätte. Alle Saile, Segel, das ganze Deck und das ganze Holz sieht irgendwie Sandgestrahlt aus – ich hab ja noch Teaköl und ich weiß ganz bestimmt das es bald zum Einsatz kommt.

Jetzt sitz ich in der Sonne und genieße die Wärme auf meiner Haut, in Gedanken bin ich bei meinen Kindern , die ich heute schon wahnsinnig vermiss und wünsche Ihnen, meiner Familie und allen Freunden frohe Weihnachten.

1. Weihnachtsfeiertag

Nachdem sich heute Nacht der Wind erst ganz verabschiedet hat und dann gedreht hat, konnten wir heute unser neues Segel – das Parasailor – ausprobieren. Es ist ein ganz leichtes Segel mit einem “Flügel” in der Mitte, was dem Segel sehr viel Stabilität verleiht und es eignet sich super zum Down Wind Segeln bei wenig oder fast keinem Wind (aber jetzt genug von der Theorie).

Wir haben erst alle Leinen festgemacht und dann das Parasailor aufgezogen und es ist wirklich unglaublich denn bei einer Windgeschwindigkeit von 5 Ktn. segeln wir mit 4,9 wahnsinnig!!!!! Außerdem ist das Boot unglaublich ruhig und stabil, da der Flügel es vorne nach oben zieht und ruhig hält. Wir können es immer noch nicht glauben, dass dieses Segel so genial ist.

Bei angenehmen Sonnenschein haben wir dann versucht, die Sandreste von den Leinen und den beweglichen Teilen zu waschen, was wir – wegen begrenztem Frischwasserbestand – mit Salzwasser gemacht haben. Meine Hände fühlten sich hinterher so sauber und weich an wie nach einem ausgiebigem Saunagang in der Salzgrotte; zur Feier des Tages haben wir uns dann auch noch vom Sand und Salz befreit und ich hab eine Ganzkörpereincremung genossen. Nach einer riesigen Portion Pizza sitzen wir in unserem Wohnzimmer, schreiben unseren Blog und genießen den Abend, noch sind keine Sterne am Himmel und der Mond lässt auch noch auf sich warten, aber sie kommen bestimmt. Heute Nacht werden wir auch wieder schichten, da das Parasailor über Nacht drauf bleibt und wir hoffen, dass der Wind genauso bleibt wie er den ganzen Tag über war.

2. Weihnachtsfeiertag

Der Wind blieb uns diese Nacht treu und wir sind bis 4 Uhr morgens mit dem Parasailor gesegelt und ich kann euch sagen es war absolut fantastisch, so ruhig und vollkommen ausbalanciert schlief ich wie ein Murmeltier tief und fest. Als der Wind dann zugenommen hat, haben wir das Segel weg gepackt – was fürs 1. Mal richtig gut ging, wir haben die Dachluke von unserem Schlafzimmer aufgemacht und dann einfach reingestopft – fertig.

Danach setzten wir das Genoa und los gingˋs wegen der Swell rum und num 🙁 jetzt hatten wir den direkten Vergleich wie ruhig oder wie holprig unsere Artemis segeln kann, aber bei zuviel Wind kann man leider nicht Parasailorn.

27.12. heute kann ich euch gar nichtˋs neues berichten, seit gestern Nacht fahren wir mit genau dem gleichen Segel auf der gleichen Seite unseren Weg; der Wind ist stabil und so langsam können wir schon an den ersten Landgang in Kap Verde (bzw. auf einer der Inseln) denken. Neill hat nachgelesen, wo wir uns anmelden müssen und wie es dort so abläuft; wo man ankern darf und kann und da wir ja mal wieder radeln gehen möchten, wo es eine Marina gibt, wo wir unser Boot einen Tag allein lassen können. Puh ja jetzt da Max nicht mehr da ist haben wir niemanden mehr der an Board ist wenn wir radeln gehen. Haha gerade haben wir doch tatsächlich einen Jibe gemacht – was bedeutet wir haben unser Segel auf die andere Seite gebracht. Vorher saßen wir draußen und haben Sterne angeschaut – Puh so viele Sterne und die Milchstraße ist wirklich total trüb und das Wasser floresziert wenn die Wellen gegen das Boot schlagen. Witzig ist auch, dass die Sterne an verschiedenen Stellen sind wie bei uns im Allgäu aber auch klar, da wir uns gerade bei 18° Nord befinden.

Die nächsten Tage verliefen ruhig und ach ich hätte euch doch fast ein Schiff unterschlagen; unser EAS Alarm meldete sich und ich sah ein Schiff HAPPY HARVEST und Neill fragte ob er uns auch gesehen hat?? Doch er antwortete ganz cool:” donˋt worry I see you” – er war eh viel schneller – genauer gesagt doppelt so schnell wie wir. Wir haben auch die ganze Zeit (ab so ca 50 Nm vor Kap Verde entfernt) nach Bergen ausschau gehalten und bei ca. 35 Nm haben wir dann die Insel entdeckt; wir segelten weiter und kamen gegen 2 Uhr morgens am 29.12. in Mandilo an. Da hier laut Pilotbuch viele gesunkene Boote liegen waren wir sehr vorsichtig und ich stand ganz vorne am Bau bzw. Bug mit Stirnlampe und Taschenlampe und hab Ausschau gehalten und wir haben Gott sei Dank nichts erwischt.

Delphine

Gestern hab ich meinen Geburtstag gefeiert und ein sensationelles Geschenk bekomen.

Wir sind rausgefahren um alle unsere reparierten Segel und Riggings zu testen, damit wir Ende Dezember unsere Atlantiküberquerung ins Auge fassen können. Ich stand am Tiller und sagte zu Max, schau ein Delphin und plötzlich waren vor, hinter uns und seitlich überall Delphine.

Ich hab mich fast kindisch darüber gefreut und sie hatten auch Spaß mit uns, am Anfang sind wir mit so zwei Knoten rumgetümpelt doch dann ging die Post ab bei sechs Knoten sprangen sie aus dem Wasser, spielten fangen und ich genoss es in vollen Zügen. Ich lag flach auf dem Boot und konnte sie fast streicheln und ich hatte das Gefühl fast zwischen diesen herrlichen Tieren zu schwimmen. Ich liebe diese Tiere, die durch pure Anwesenheit gute Laune verbreiten und wir hatten sooo lange keine mehr gesehen.

Yachtmaster und Competent Crew

Nun der Grund dafür, dass ich so lange nichts geschrieben habe, wir sind am 30.11. zurück nach Ayamonte geflogen, wo Neill seine Prüfung zum Yachtmaster und ich meinen 1. Segelkurs – und das auch noch in Englisch – gemacht haben und ich kann euch gleich sagen Wir haben beide bestanden.

Wir haben zwei Tage (zum Hin- und Rückfliegen) in Sevilla verbracht und uns die Stadt inclusiv der unglaublichen Weihnachtsbeleuchtung angeschaut.

Die letzte Woche war unglaublich intensiv für mich, in jeder Beziehung. Ich hab intensives Training mit Segelfachausdrücken, Bootszubehör und Rettungsaktionen (Mann über Bord usw.) gehabt und – was für mich echt mega intensiv war – alles in Englisch.

Shane und seine Frau Debbie sind fantastische Lehrer und sie haben mir mit unheimlicher Geduld Knoten, verschiedene Manöver und sämtliche Fachbegriffe erklärt und zwar so erklärt, dass ich als “Ausländerin” es verstehen konnte. Die Schulungstage waren lang und ich kann euch sagen, dass ich in dieser Woche mehr Segel gesetzt und versetzt hab wie die letzten zwei Monate. Nach getaner “Arbeit” wurden wir dann mit fantastisch gutem Essen – dass Debbie selbst bekocht hat – verwöhnt und ich genoss es in vollen Zügen, mir keine Gedanken über Einkaufen oder Kochen zu machen (was schon ein bischen Urlaubsgefühl vermittelt hat). Außer uns war noch eine Engländerin an Board somit war die ganze Konversation in Englisch und ich glaub, dass ich diese Woche sehr viel an Sprachverständnis gelernt hab.

Danke nochmal an Debbie und Shane für ihre unendliche Geduld mit mir – und ich hab als Devise mitbekommen, dass ich jetzt mit meinem Zertfikat zur Competenten Crew nicht mehr sagen darf, dass ich nicht segeln kann.

Gran Canaria und die ARC

Wir sind jetzt in Gran Canaria, genauer gesagt in Las Palmas de Gran Canaria angekommen, um uns mit Stuart zu treffen und unser neues Segel abzuholen. Ja wir haben uns ein Segel bestellt, dass wir im September in Ayamonte getestet haben; es ist ein Parasail und es ist auf der selben Technik wie ein Paragleiter aufgebaut, es hat einen Flügel zur Stabilisation und es eignet sich hervorragend zum Wind ab segeln, da es dem Boot enorme Stabilität verleiht.

Am 21.11. haben wir uns getroffen und Stuart hat uns das Segel auf unserm Boot eingerichtet und uns gezeigt wie wir es verwenden können. Am Sonntag haben wir dann den Start der ARC angeschaut, das ist ein “Rennen” über den Atlantik, wenn man der Startseite glauben will, ist es ein “Muss für jeden Segler”.

Für uns war es einfach sehr interessant diesem Spektakel beizuwohnen und den ganzen Horizont voller Segel zu sehen, aber wir haben beschlossen unsere Atlantik Überquerung für uns zu machen.

La Gomera und Gran Canaria Radeltouren

Nachdem wir uns jetzt schon ganz gut in den Kanaren aklimatisiert haben gingˋs natürlich auch erst auf Gomera und dann auch auf Gran Canaria zum radeln.

Nachdem hier alles Vulkan-Inseln sind wollen wir immer auf den Vulkan oder auf den höchsten Punkt der Insel. In La Gomera lag der in einem Regenwald und die Route war wieder super; nach 1900 Höhenmetern und 62 km hatten wir den höchsten Punkt erreicht, leider hat es genieselt und wir haber nix gesehen. Nachdem wir alles angezogen hatten fuhren wir wieder berg ab; auf einem kleinen Trail, wo der Lehm wie Schmierseife war ist Neill sein Fahrrad weg gerutscht und er ist etwas unsanft aufgekommen, doch Gott sei Dank hat sein Helm (der ist wieder einmal kaputt) schlimmeres verhindert und so ist er mit ein paar blauen Flecken davon gekommen.

Heute 16.11. sind wir auf Gran Canaria auf den höchsten Punkt geradelt; 2700 Höhenmeter und 110 Km – verrückt – absolut crazy und super anstrengend doch auch mega cool.

Um 7 Uhr radelten wir noch fast im Dunkeln los und dieses mal hatten wir einen soften Einstieg, ja wir durften uns doch wirklich mal ca. 20 km eben warm radeln, doch dann gingˋs zur Sache – auf einem Paß Soria ging es 9 km mit max. 14,6 % Steigung Bergauf. Aber wir waren voll tatendrang, dynamisch und voll motiviert und wir hatten uns vorgenommen, wieder auf den höchsten Punkt 1945 Meter zu radeln. Wir wurden von Rennradfahrern überholt und ich frag mich immer noch, wie man auf diesen Straßen überhaupt Spaß dran haben kann – die meisten geteerten Straßen sind eher Stoßdämpferteststrecken als alles andere.

Als wir nach ca. 1000 Höhenmetern eine – von gefühlt 25 – Paßhöhen erreicht haben – stand ein Händler mit Probierfrüchten mitten auf der Straße, natürlich haben wir gekostet und dann 5 Mandarinen und ein Stück Ziegenkäse mit Palmsirup (was wir dann am höchsten Punkt verdrückt haben) gekauft. Weiter gehtˋs Bergauf und Bergab (sonst bekommen wir ja keine Höhenmeter) und ca. 600 Höhenmeter vor unserem Ziel, begann es richtig heftig steil zu werden, doch wir wollten da rauf und dann konnten wir fast unser “Ende ” sehen. Ich sagte zu Neill: ” oben muss ich zuerst einen Keks essen, denn ich brauch Zucker” nach weiteren 20 Metern entschied ich mich JETZT für einen Keks und siehe da – wir sind oben angekommen. Die Wolken zogen rein und ich hatte schon Angst, dass oben alles zu ist und wir nichts sehen können, doch unser Wettergott hatte ein Einsehen mit uns und schob immer wieder die Wolken zur Seite, so daß wir einen mega geilen Blick über alle Gipfel bis hin zum Teide (Vulkan auf Teneriffa) der ca. 100 Km entfernt ist – bekamen. Dort oben gaben sechs junge Musiker mit Gitarre und Gesang ein kleines Konzert und wir genossen unsere Brotzeit bei den Klängen. Neill hatte auch einen Trak zum Trailen runtergeladen, doch als wir den Einstieg sahen (technisch schwierig und ziemlich schmal) entschlossen wir uns, den selben Weg wieder zurück zu radeln, den wir gekommen sind.

Wir gönnten uns nach ca. 600 Höhenmetern downhill einen Cappuccino, Kuchen und Eis – das haben wir uns verdient und ein lokaler Mountainbike Gide interessierte sich total für unsere Räder – er meinte weil wir so einen dicken Rahmen haben, dass es E-Bikes sind doch nach genauerer Inspektion hatten wir ihn vom Gegenteil überzeugt und nachdem wir ihm erzählt hatten, von wo wir gestartet sind und wo wir waren war er sehr beeindruckt, denn er meinte der Pass sei doch sau steil.

Nach ca. drei Stunden Downhill – zum Uphill haben wir sieben Stunden gebraucht – kamen wir leicht erschöpft oder ehrlicher gesagt voll am Arsch nach 110 Km und 2700 Höhenmetern wieder in der Marina an, wo uns Max mit “Apfel-Crumble” verwöhnt hat, an. Danke Max !!!!

Der Teide

Von Familie Engels haben wir gehört, dass sie auf dem Teide – dem 3. größten Vulkan der Welt – auf Teneriffa waren und dass es mega toll war. Wir haben uns schlau gemacht und herausgefunden, dass man auch dorthin radeln kann, als erstes überlegten wir mit dem Bus zu fahren, aber es war nicht klar, ob er Fahrräder mit nimmt; dann eventuell ein Mietauto nehmen und selber hinfahren – auch irgendwie doof. Wir machen es ganz anders, wir segeln einfach ein bisschen in den Süden und radeln vom Boot weg.

Freitag morgen gingˋs los 40 Nm weiter in eine Bucht ankern und eventuell mit dem Dingi ans Land und radeln, als wir nach intensiven 25 – 30 Knoten von hinten in der Bucht ankamen, war uns total klar, dass wir bei dem Wind weder das Boot verlassen noch mit dem Dingi an Land gehen können. Nach einer windigen Nacht nahmen wir dann Plan B ins Visier: wir segeln ca. 5 Nm weiter in die Marina, bleiben dort und gehen radeln, doch da war kein Platz. Mit unerschütterlicher Zuversicht segelten wir zur nächsten Marina, die leider auch keinen Platz für uns hatte, aber in der ersten Marina meinte ein Angestellter, dass wir bei ihnen im Hafen ankern können. Okay dann wieder zurück 3 Nm gegen die Swell und gegen den Wind – ich kann euch sagen KEIN SPASS, aber endlich angekommen bekamen wir weder eine Ankerstelle noch einen Platz. Wir telefonierten noch einmal mit der Marina del Sul und hurra plötzlich hatten wir Platz und unser Vulkan Ausflug rückte in greifbare Nähe.

Samstag 4.11.18

6 Uhr aufstehen, Frühstücken, Räder zusammen bauen und um 7.45 Uhr ging es los.

Laut Streckenangabe unseres GPS Tracks lagen ca. 2300 Höhenmeter und 125 km vor uns – Puh, wir hatten uns schon vorsorglich bei Max abgemeldet, dass wenn wir das an einem Tag nicht hinbekommen wir irgendwo über Nacht bleiben. Es war bewölkt und eher kühl also ideal zum radeln und wir kamen ganz gut voran; wir wurden von vielen Rennradfahrern überholt und gefühlt kamen uns tausend entgegen. Wir fragten uns die ganze Zeit, wann die denn aufgestanden sein mussten, dass sie schon wieder zurück sind, doch als wir Richtung Teide abgebogen sind wussten wir, dass die Rennradler nur vom nächsten Tal rauf gefahren sind und ins nächste Tal wieder zurück fuhren. Neill meinte: “ich schreib jetzt Jon als wir bei 1100 Höhenmeter waren, dass wir jetzt viermal den Jochpass geradelt sind und noch fünfmal vor uns haben”. Ganz weit oben sahen wir immer ein kleines Stück blauen Himmel und das war unser Ziel.

Wir radelten ganz gemütlich bei einem Schwätzchen dahin, als ich plötzlich einen Schlag auf meinem rechten Oberarm spürte und kurz darauf einen Schuss hörte – ich sagte zu Neill: ” ich glaub ich bin angeschossen worden” und Neill antwortete mir: ” ich auch – schau dort oben der Jäger wollte wohl ein Rebhuhn oder irgend etwas anderes treffen und er hat auf die Straße gezielt und die Schrottkugeln haben dann uns getroffen” . Ich blutete am Arm und Neill hatte am Rücken einen Kratzer – wir waren stinksauer dass könnt ihr euch bestimmt vorstellen und schrien den Jäger in allen uns bekannten Sprachen an, der winkte nur und suchte das Weite. Nach einer Schrecksekunde fuhren wir dann mit etwas weichen Knien weiter; ich bzw. wir sind noch nie angeschossen worden und irgendwie konnte ich meine Entrüstung und meine Wut über diesen Trottel von Jäger überhaupt nicht zügeln, nicht auszudenken, was da passieren kann, wenn die Kugel ins Auge trifft. Ein vorbeifahrendes Polizeiauto haben wir dann angehalten und dem Polizisten erklärt, dass weiter unten ein Jäger auf Radfahrer schießt – er hat sofort umgekehrt doch wahrscheinlich hat er ihn nicht mehr erwischt.

Nach dem Mittagessen waren wir echt super motiviert und kamen langsam an die Wolkengrenze und drüber begrüßte uns herrlicher Sonnenschein – unbeschreiblich das ist wirklich Flugzeugmodus – du radelst und unter dir liegt eine dicke Wolkendecke. Als wir oben auf 2100 Meter Meereshöhe waren, entschieden wir uns oben zu übernachten – wir radelten vom Kraterrand das ganze Tal entlang Wahnsinnig – Unbeschreiblich – mit Worten nicht zu erklären. Am Hotel angekommen, wollten wir noch draussen ein Bier trinken bevor die Sonne untergeht doch es war leider zu kalt und im Hotel brannte ein offenes Feuer im Kamin. Überwältigt von diesen Eindrücken und einem Sternenhimmel, den ich so noch nie gesehen hatte gingˋs ab ins Bett.

Am 5.11.18 fuhren wir zur Talstation der Bergbahn und wurden von tausenden Menschen begleitet, die mit dem Auto oder Bus hier raufgefahren waren. Wir haben diesen Vulkan in einer Länge von 2560 Höhenmetern genossen, dass wir uns die Bergfahrt mit der Bahn geschenkt haben. Wir fuhren zurück und nach knapp 3000 Metern bergab war uns saukalt und unsere Hände waren vom Bremsen fast taub.

Als wir um 14 Uhr wieder in der Marina ankamen, waren wir immer noch geflascht von einem genialen megageilen Radlausflug.

Teneriffa mit Familie Engels

Ihr werdet es kaum glauben, aber wir haben es tatsächlich geschafft uns mit der Familie Engels zu treffen; wir waren gemeinsam segeln und alle hatten mächtig Spaß. Moritz und Max waren total eifrig am steuern und Matteo war soo schön schmusig mit mir, dass ihm auch die rauhe See nichts anhaben konnte und er irgendwann bei mir auf dem Schoß eingeschlafen ist. Nur Manu kam mit den blöden Wellen nicht so gut zu recht, aber als sie dann den Tiller übernommen hatte liefs wie geschmiert.

Wir hatten uns von einem dänischen Nachbarboot Schwimmwesten für die Kinder ausgeliehen und als wir sie zurück brachten, fiel leider eine ins Wasser. Ich dachte nur blöd jetzt ist sie nass aber bei Kontakt mit Salzwasser wird der Mechanismus ausgelöst und die Weste bläst sich auf – jetzt wissen wir wie sie funktioniert. Der Däne war sehr freundlich und meinte, dass wir nur die Ersatzteile besorgen müssen und er kann es dann selber wieder reparieren. Zwei Tage später sind wir zu Manu und Moritz in ihr Ferienhaus geradelt und haben den Rest der Familie kennen gelernt; wir haben viel erzählt, gelacht und total gemütliche Stunden erlebt.