Bucht von Biscay

Am 4.8.18 gingˋs los wir haben alles eingekauft und fuhren um 15.25 Uhr in St. Evette los.

Ca. 300 Nm lagen vor uns, ich war echt gespannt, denn so weit am Stück war ich noch nie zuvor gesegelt und drei Nächte am Stück auch nicht.

Neill hat uns erzählt, dass wenn wir im Schnitt ca. 4 Nm/h segeln können, dann sind wir in ca. 3,5 Tagen da. Wir segelten los und der Wind war so gut, dass wir nach 6 Stunden eine Strecke von 33 Nm und einen Durchschnitt von 5,6 Nm hatten – guter Start oder.

Wir besprachen die Einteilung der Nachtwachen und so war dann die Aufteilung. Ich durfte die erste Schicht übernehmen, dann Neill und Max macht dann die Frühschicht, gerechnet haben wir so mit ca. 3 Stunden. Wir saßen abends draußen und genossen den Wind und alles um uns herum, als wir plötzlich Besuch von einer ganzen Schule von Delphinen bekamen. Ich habe noch nie soviele auf einmal gesehen (es waren mindestens 15 oder 20) die sich einen Spaß daraus machten, an unserem Boot entlang zu schwimmen, unten durch und wieder auf der anderen Seite auftauchten. In einer Welle neben uns sahen wir vier Stück und ich kann mir vorstellen, dass die Delphine uns genau so anschauen wie wir sie. Ich denk gerade, dass es für sie so sein muss, als ob sie aus einem Aquarium auf die Welt schauen und denken dass sind ja lustige Tiere. Nach ca. 5 Minuten – was wirklich lang ist – zogen sie weiter und wir sprachen noch lange über unsere Eindrücke. Dann zog der Nebel herein.

Bucht von Biscay

Bucht von Biscay

Wir machten Brotzeit und Max meinte, das ist jetzt irgendwie surreal wir sitzen hier beim essen und draußen ist Nebel und wir segeln.  Ich – wenn wundert das – bin die erste Nacht bis 1.30 Uhr wach geblieben, denn mein Buch war sooooo spannend und ich war überhaupt nicht müde und alles war absolut ruhig auf dem Meer und meine “Freundin Chiara” machte keine Probleme, sie steuerte uns zielstrebig und unentwegt Richtung Süden.

Neill stand auf und der Wind ließ nach und er konnte um 4.30 Uhr an Max übergeben und um 7.30 Uhr war ich wieder dran. Es ist ein seltsames Gefühl zu wissen, dass diese Bucht so groß ist und du jetzt schon fast einen ganzen Tag unterwegs bist und noch kein anderes Boot gesehen hast. Der Nebel hat sich verzogen und die Sonne kam raus und es war wunderschön warm und ich hab den Bikini angezogen und hab mich – selbstverständlich mit Schwimmweste – an den Bau gelegt und die Sonne, die Wellen und das nichts um mich herum genossen.

Ihr könnt euch das bestimmt nicht vorstellen, aber wir müssen heute (nur einen Tag nach unserer Überquerung) alle zusammen überlegen, was an welchem Tag war und was wir gegessen haben was besonderes war usw. Nein wir haben in der kurzen Zeit noch keinen Alzheimer bekommen, denn sogar Max und er ist erst 25 Jahre alt, hat Schwierigkeiten sich an die Einzelheiten zu erinnern, aber die Eindrücke sind so intensiv, dass wir kaum noch wissen, an welchem Tag was war. Definitiv weiß ich dass Max die ganze Zeit keinen Fisch gefangen hat.

Der Wind kam von hinten und wir haben unser Genoa rausgepoolt und sind ganz gechillt Wind abwärts gefahren. Neill meinte bevor er ins Bett gegangen ist, wenn wir mehr als 4,5 Kt machen weck mich auf, denn dann müssen wir reefen ( für alle Nichtsegler bedeutet das, dass das Hauptsegel durch Seile zusammengezogen wird und somit die Segelfläche verkleinert wird und man dadurch etwas langsamer wird bzw. das Steuern für Chiara einfacher wird).

Die zweite Nacht brach an, Sterne am Himmel und meine Männer waren im Bett. Ich hatte Wache und registrierte sehr wohl,  dass wir schneller wurden aber unsere Artemis war stabil und Chiara konnte ohne weiteres das Steuer souverän und stabil halten. Weit und breit war kein anderes Boot zu sehen oder sonst irgendwas aufregendes , diesmal konnte ich nicht so lange wach bleiben, denn irgendwie fehlte mir doch der Schlaf und als ich Neill um 1 Uhr weckte meinte ich, wenn du reefen willst, dann weck mich bitte. Ich ging ins Bett merkte aber doch die Unruhe im vorderen Teil – ich schaute raus und fragte Max, kann ich etwas helfen und er meinte – ich glaub schon.

In der kurzen Zeit wo Neill die Wache übernommen hatte, war der Wind deutlich stärker geworden und wir mussten reefen und das Genoa reinholen, das bedeutet alle drei in Aktion. Meine Aufgabe bestand darin das Seil des 1. Reef einzuziehen, Neill war am Tiller und Max an der Winsch für die Main Haliet. Ich zog an und plötzlich schmiss es mich nach hinten – ich war nicht plötzlich entkräftete oder ausgerutscht, nein das Seil war gerissen. Das Tau war am 1. Reef geflickt und das hatte sich jetzt gelöst und war gebrochen – sau blöd –  dann machten wir noch den 2. Reef . Aber als wir alles erledigt hatten ging ich wieder ins Bett und dank Max konnte ich bis fast 9 Uhr schlafen – super genial.

Wir frühstückten gemeinsam dann ging Max ins Bett und Neill und ich beobachteten unsere Umgebung, von einem vorbeifahrenden Schiff haben wir dann den neusten Wetterbericht bekommen. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag immer noch bei 4,4 Nm und wir waren sehr gut im Rennen. Ihr könnt euch das bestimmt nicht vorstellen, aber wenn du um dich rum nur Wasser hast, ist es ein irres Gefühl der  Weite in allen Richtungen echt genial. Gegen Abend meinte Max, es riecht nach Regen und ich sagte, er soll nicht so pessimistisch sein, doch in meiner Schicht wieder bis 1.30 Uhr hat es nicht geregnet und auch bei Neill nicht. Nein der Regen hat auf Max gewartet und bei Regen ist eben alles anders, die Wellen sind größer,schwarz und bedrohlicher. Max hatte Schiffe um sich und Neill war auch oft mit auf, doch als ich wieder aufgestanden bin, war alles wieder freundlich und die Sonne ging auf und Max ging – nach einem gemeinsamen Frühstück –  ins Bett.

Letzter Tag: Neill wollte sich nicht wieder hinlegen da er meinte, ohne Tak um das Headland kommen zu können – leider haben wir es nicht geschafft – wir haben nach ca. 250 Nm unseren 1. Tak gemacht !! und dann ging Neill doch ins Bett und Max und ich haben die letzten Nm alleine  gemacht, nochmal einen Tak und als wir ca. 1,5 Nm vor unserem Ziel vom Wind verlassen wurden haben wir den Motor eingeschaltet, Genoa und Mainsail verräumt und sind um 17 Uhr nach 328 Nm und 0,7 Stunden Motor im Rio de Cadeira in Spanien vor anker gegangen. Eine geniale Erfahrung und wir haben uns alle auf eine Nacht durchschlafen gefreut.

Am Ziel

Am Ziel

Ohne Unterbrechung und halb wach aus dem Bett steigen.

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