Gast Crew – Karibik wir kommen!

Gertrud Klotz-French

Hier ein Bericht von unsere Freundin Gertrud Klotz-French die zwölf Tage, gemeinsam mit ihre Mann Jon bei uns am Bord war.

Nachdem Heidi und Neill nun schon über ein Jahr unterwegs waren und wir
schon beim Abschied versprachen, sie zu besuchen, wenn sie in wärmeren
Gefilden sind, war es endlich so weit. Juhu, endlich wieder ein Abenteuer!

Hitze

Der erste Eindruck war: HEISS. So heiß, dass eigentlich jeder Fetzen der die
Haut berührt zu viel ist. Aber da wir ja vernünftig sind und als käsige,
winterharte Allgäuer dort angekommen sind, haben wir uns wie die
Beduinen eingemummelt, um nicht zu verbrennen. Mit der Zeit wurde die
Bekleidung aber stetig weniger. Wir verstanden nun auch, warum wir einen
neuen Windcatcher anfertigen und mitbringen sollten. Falls „Gute Reise“
den Dienst versagen sollte, ist ein Ersatz überlebenswichtig. Ohne ist es
unter Deck kaum auszuhalten.

Segelschule

Für Jon, den ehemaligen Inselaffen, waren die Tage ein Auffrischungskurs
im Segeln, für mich als Mountain Girl absolutes Neuland. Umso cooler, dass
ich auch mal am Tiller stehen und steuern lernen durfte. Ich kenne jetzt
auch ein paar wenige Knoten und einige Bezeichnungen das Boot und das
Segeln betreffend z.B. Downwind ist mit dem Wind segeln, Upwind gegen
den Wind und – ist nicht meins!!! Die beiden Gastgeber waren so süß und
haben immer wieder Entschuldigungen gefunden, warum es mir schlecht
wird: zu wenig Schlaf, zu viel gegessen, zu viel Schlaf… aber ich war einfach
seekrank. Hab’s überlebt! In Zukunft werde ich die Blogs von Heidi und
Neill mit gleichem Interesse, aber noch besserem Verständnis lesen, weil:
Ich war dabei, ich hab’s gesehen, gespürt, berührt, gehört, gefühlt und
gemacht!

Seglerleben

stellte sich für mich so dar: ankern in schönen Buchten, ins Meer hüpfen
wann man will, schnorcheln in türkisfarbenem klaren Wasser, neue
Gegenden, andere Flora und Fauna sehen, tolle Sonnenuntergänge, das
Leben genießen. Aber für einen richtigen Segler kommt da noch mehr dazu:
segeln erfordert körperliche und geistige Fitness, einiges muss simultan
ausgeführt werden, es gibt viel zu tun und viel zu beachten, unerwartete
Probleme lösen und Ideen umsetzen, Reparaturen ausführen UND Customs
and Immigration! Oh mei, für uns ja nicht so schlimm auch wenn wir
deswegen den dreiviertel Tag in Willemstad rumtrotteten. Wir mussten nur
anwesend sein und Heidi und Neill hinterherlatschen, die schon im Vorfeld
alles online gemacht, Papiere vorbereitet und herausgefunden haben was
nötig ist und wohin man muss. Naja, muss wohl sein. Am „Heimweg“
stolperten wir dafür in die richtige Gasse, wo uns Reggae Musik zur
Mojitobar lockte und wir uns erst 1, dann 2, 3 … Caipirinha zur Belohnung
gönnten. Das Zeug schmeckt in der Karibik genauso gut, haut nur schneller
rein. Haben dann prompt den Bus verpasst.

Inselhopping

Vor Klein Curacao ankerten wir und reparierten das Jippsegel, das einen
Riss bekommen hatte. Das war aufregend! Am nächsten Tag erkundeten wir
die unbewohnte Insel mit Leuchtturmruine und einem Riesenwrack am
Strand im Zuge eines Geocaches. Es war einer der wenigen Tage mit
wolkenlosem Himmel, also unglaublich heiß. War dann echt froh wieder ins
Wasser zu kommen und den vielen bunten Fischen zusehen und auch mal
eine Schildkröte zu Gesicht zu bekommen. Dann ging es weiter Upwind
nach Bonaire –extra nachts, damit ich nicht so viel leiden musste. Trotzdem wollte ich auch die Sterne der Karibik sehen und wurde mit dem Kreuz des Südens am Himmel und mit im Wasser funkelndem Plankton belohnt. Und eigentlich ist das hart am Wind segeln voll geil.

Bonaire

als Taucherparadies, galt es natürlich auch unter Wasser zu erkunden. Das
Housereef war insofern interessant, da wir Artemis von unten
kennenlernten und sie nach einem Jahr auf See, mit Spachtel bewaffnet,
gründlich von Ablagerungen befreiten. Das hat dann viele Fische angelockt.
Jon und ich nahmen auch an einem Bootstauchgang teil, d.h. mit einer
Gruppe Taucher in einem Boot raus aufs offene Meer an ein Riff, um dort
mit einem Tauchguide ca. eine Stunde zu tauchen. In unserem Fall war der
Guide taubstumm, was unter Wasser ja überhaupt keine Rolle spielt. Der
hat den idealen Job für sich gefunden! Da mir zwei Tauchgänge
hintereinander zuviel sind, gab Jon vor seinem zweiten Abtauchen Neill die
Koordinaten des Tauchboots durch und so wurde ich von der Artemis
abgeholt. Ich kam mir vor wie eine VIP – Bin durchs offene Meer von
einem zum anderen Boot rüber gekrault. Immer für Abenteuer zu haben.
Der Skipper ließ mich aber nicht ohne Unterschrift gehen, sonst wäre es
sein erstes Mal gewesen, dass er mit 8 Leuten raus und nur mit 7
zurückkommt.

Am nächsten Tag war Jon nochmal tauchen und ich machte mich mit Hilfe
der Crew endlich an die Bemalung des neuen Windcatchers, bevor der
Urlaub zu Ende ist und ich meinen Hauptjob nicht erfüllt bekomme. Heidi
zauberte nebenher wieder mal was Leckeres zu essen und machte Hefeteig
für Brot, dem mein zwischenzeitlich verabreichter Fußabdruck
geschmacklich nichts anhaben konnte. Nochmal Sorry Heidi, wir hätten ein
Foto machen sollen.

Gegen Abend holten wir den Mietwagen ab und fuhren Flamingo gucken.
Jon und Heidi trauten sich durch die Kakteen zum Geocache, während Neill
Cäsar zitierte, aber statt Freunde , Brüder, Römer hörten nur ich und
vielleicht ein paar Papageien zu. Und wieder gabs einen wunderschönen
Sonnenuntergang. Dieser Abend endete spät, nach leckerem Eis, Karaoke-
Gesang, Kartenspielen und yummy Cocktails.

Nationalpark

Eigentlich wären wir lieber mit Scootern rumgedüst, aber in den
Nationalpark darf man nur mit 4×4 Drive und dann wußten wir auch
warum: Staubige Straßenpisten, manchmal steil, meist holprig, führten
kilometerlang durch undurchdringlichen Kakteendschungel und das in
brütender Hitze. Auf dem Pickup hinten drauf hats Spaß gemacht, Jon hatte
seine Freude hinterm Steuer und das Schnorcheln in den Buchten hat sich
gelohnt. Wir mussten noch zu Customs and Immigration, Einkaufen,
Volltanken, Auto zurückbringen, Eisessen, Essen gehen. Für die maximale
Ausnutzung des Mietwagens war logistisches Geschick notwendig. Beinahe
wären wir in Streß geraten, was dank Neills weisem Management und
Rudermuskeln gerade noch verhindert werden konnte. Danke Neill!

Rückweg

Nachts downwind segeln war halb so wild für mich. Neill fand auf Curacao
wieder eine tolle Bucht in der wir den Tag verbummelten.
Tags drauf gings in eine Marina, eigentlich ein Campingplatz für Cruiser
bzw. ein Bootsparkplatz. Hey, in einer Marina gibts Duschen und ich dachte, da freu ich mich drauf. Aber ehrlich gesagt, war baden im Meer mit
anschließender warmer Frischwasserdusche aus einem Eimer, fast noch
schöner, als die nicht mal lauwarme Marinadusche. Minimalismus kann
man sich angewöhnen! Jon erledigte seinen Arbeitsauftrag Fahrräder
checken und dann gings wieder nach Willemstad zur berühmten Customs
and Immigration zum Einklären und Jon und mich Ausklären. In meinem
neuen Reisepass habe ich allein von diesem Urlaub 5 Stempel.

Es ist unglaublich was wir alles in diese 12 Tage hineinpacken konnten. Ich
habe das Gefühl ich war viel länger mit der Artemis unterwegs. Es war
weder streßig, noch eintönig, sondern abwechslungsreich, unterhaltsam,
interessant, abenteuerlich, lustig und sooooo schön wieder mal mit Heidi
und Neill zusammen zu sein und eine schöne gemeinsame Erinnerung zu
erschaffen. Ist uns gut gelungen! Nochmal vielen Dank für die Einladung,
fürs Haben, fürs Aushalten, fürs Organisieren, fürs Kochen, fürs Abholen
und Hinbringen, für so viel Spaß und Lachen und Singen, für eure Zeit und
eure Freundschaft.

Schluchz, schnief bis zum Wiedersehn. Bussi,
Gertrud