Wandertag

Ja ihr lest ganz richtig, heute haben wir einen Wandertag gemacht. Wir sind in Plockton und wie kann es anders sein, noch mit unserem Motor beschäftigt, denn er macht immer noch Probleme, deshalb hat ein Mechaniker am Freitag nochmal nachgeschaut und jetzt sieht es so aus, als ob das Problem gefunden wurde – wir hoffen das Beste.

Deshalb haben wir heute beschlossen, das Umland und die Berge zu besteigen. Dank GPS haben wir natürlich auch Open Street Maps dabei und das bedeutet, dass wir alle Wege auf dem GPS draufhaben. Gesagt getan; Wir wollten auf den nächsten Berg gehen und uns die Welt von oben anschauen – leider zu Fuß – denn unsere Fahrräder sind immer noch nicht bei uns (wir werden sie bei Neillˋs Schwester erst an Bord nehmen). Echt schade, denn es wären wirklich total schöne Wege zum radeln gewesen und wir wären einfach viel schneller, aber immerhin haben wir doch fast 11 km und fast 500 Höhenmeter geschafft.

Wir haben eine Schranke passiert, wo stand wenn jemand zu dem Handymasten möchte, soll er eine besimmte Telefonnummer anrufen, da wussten wir, dass wir den hinteren Berg besteigen, denn den Masten sehen wir schon seit zwei Tagen vom Boot aus.

Es war heute den ganzen Tag trocken und sogar die Sonne hat rausgeschaut, weiter oben erstreckte sich unser Blick ins Landesinnere. Eine traumhafte Sicht mit drei Weihern und am Horizont waren schneebedeckte Berge, Neill meinte dort hinten im Norden hört Schottland auf.

Über Plockton
Über Plockton

Ganz oben auf dem Berg angelangt, hat der Wind uns fast weggeweht – echt wild. Also nur kurz Fotos machen und dann wieder 10 Meter tiefer in den Windschatten des Gipfels. Für den Rückweg haben wir den Weg an einem wunderschönen Schloß vorbei direkt am Meer gewählt.

Nach einer kurzen Brotzeit gings weiter noch zu einem Kriegerdenkmal und dann nochmal einen kleinen Berg rauf – von nix bekommen wir ja keine Höhenmeter – wieder runter und zurück zum Hafen in Plockton.

Für mich war hier gedanklich schon Feierabend, denn Neill muss uns ja noch zum Boot zurückpaddeln – denkste!!!!! Als wir zum Pontoon kommen windet es unglaublich mit weißer Gischt auf den Wellen. Neill meinte: “ Keine Chance, gegen diese Wellen, kann ich nicht anrudern”, also dann warten wir ab (seelisch und moralisch war ich schon total auf einen Kaffee auf unser Artemis eingestellt, aber bei dem Seegang war leider nix zu machen).

Wir setzten uns auf ein Bänkchen und hofften, dass der Wind nachließ. Doch da kamen zwei junge Leute, die so aussahen, als ob ihnen das kleine Motorboot gehört, das am Pontoon festgemacht war und wir haben sie gefragt, ob sie uns mitnehmen könnten und natürlich haben sie uns mitgenommen. Sie haben uns erzählt, dass sie das Beiboot zu einem Schulschiff (Segelboot) sind das auch hier in Plockton liegt und heute abend kommen noch Studenten, die dann für eine Woche segeln lernen.

Wir waren mächtig froh, dass sie uns mitgenommen haben, denn jetzt ist 22 Uhr und die Wellen sind keinesfalls weniger geworden – nee eher mehr – und morgen gehen wir segeln um verschiedene Test auszuführen. Wir sind sehr zuversichtlich und was dabei rauskommt erzähl ich euch  beim nächsten Eintrag.

Über mich

Bestimmt stellt ihr euch schon lange die Frage wie gehtˋs Heidi denn auf dem Boot, ist sie seekrank oder wie läuft ihr Tag so ab?

Also mir gehtˋs echt gut. Mir ist weder schlecht noch schwindelig noch sonst irgendetwas. Ich hab nur gedacht, dass ich erst eine Weile auf dem Boot sein muss um so etwas zu behaupten.

Manchmal ist der Seegang ein bisschen wackelig aber das gehört dazu.

Am Abend vorher überlegen wir, was wir am nächsten Tag anstellen, dann wird als erstes der Wetterbericht angeschaut, was der Wind macht und von welcher Richtung er kommt. Es wird überlegt, wo es hingehen soll, dann wird ein Ankerplatz ausgesucht.

Nach dem Frühstück gehtˋs los, Anker einholen  erst kurz mit dem Motor fahren und dann segeln, je nachdem wie der Wind ist, kann es schon sein, dass wir schneller oder viel langsamer sind, dann heißt es wieder überlegen doch weiter zu segeln oder doch einen näheren Ankerplatz oder was ähnlichem zu suchen.

Dann erlebst du tausend Eindrücke im vorbeifahren( und wenns richtig schön warm ist, im Windschatten oder so, leg ich mich einfach in die Sonne und döse vor mich hin oder schlaf ein).

Heidi in Standby
Heidi in Standby

Schottland ist wirklich unglaublich schön !!!!!  (ja ich weiß, dass ich mich wiederhole) unterwegs wird ein Brot geschmiert, ein Apfel gegessen oder eine Suppe gekocht, nix aufregendes außer ich bekomm Unterzucker, dann kann es schon sein, dass ich schnell Pfannkuchen mache. Später dann wird geankert und alles fest gemacht. Es kommt es darauf an, wie ruhig das Meer ist; ob wir das Dingi aufblasen und einen Landausflug machen. Je nachdem wird das Essen auf früher oder später verschoben. Mit vollem Bauch und nach getätigtem Abwasch,  wird entweder gelesen, geschrieben oder einfach nur gequatscht. Auf jeden Fall haben wir uns meistens ein Glas Wein oder einen Baileys verdient.

So jetzt wisst ihr Bescheid, wie ein Tag bei mir abläuft. Aber wenn der Wind macht was er will, werden unsere ganzen Überlegungen über Bord geworfen und wir entscheiden dann situativ.

Ja wenn ich etwas beim segeln gelernt habe, ist es dass es manchmal ganz anders kommt.

Deshalb fahren wir dahin wohin uns der Wind bläst und bleiben so lange, bis wir kein Geld mehr haben.

 

Nach Ornsay Harbour und Skye

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Mallaig, wir mussten ein Ersatzteil holen, dass Neill bei unserem letzten an die Boje anlegen ins Wasser geworfen hatte; gings weiter an der Insel Skye vorbei und einer traumhaften Landschaftskulisse.

Wir segelten und nachdem ich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung als Stand by Segler nachkam, wurde es fast warm. Ich konnte doch tatsächlich im Pullover in der Sonne liegen und bin dann doch tatsächlich eingeschlafen, denn es war “Sommer geworden” – im Windschatten doch als ich mich aufrichtete war er wieder da, der kalte Wind und Neill saß am Tiller mit der Mütze tief ins Gesicht gezogen und seine Jacke ganz zu.

Wir segelten nach Ornsay Harbour und gingen vor Anker. Vor uns am Strand drei Häuser und sonst nix. Ich dachte noch, wenn unser Gegenüber aus dem Fenster schaut, ist plötzlich ein Segelboot fast in seinem Garten und er denkt sich das ist ja nett. Und jetzt stell dir vor unser Boot wäre ein Wohnwagen und wir stellten  ihn einfach in seinen Garten – ich glaub da würde sich die Freude in Grenzen halten.

Weil wir am Sonntag durch den Kyle Rhea mussten, das ist ein Tidal Gate – der nur zu bestimmten Zeiten gut zu durchfahren ist, das heißt es treffen dort zwei verschiedene Strömungen aufeinander und dann muss man höllisch aufpassen, damit du nicht gegen die Felsen gedrückt wirst – konnten wir ausschlafen und dann unsere Wäsche machen. Das Wetter fast wie dafür bestellt, Sonne pur. Also waschen gut auswringen und aufhängen. Die ganze Reling wurde als Wäscheleine ausgenutzt und um 12 Uhr fuhren wir los. Erst mit Motor bis durch den Kyle Rhea und dann weiter Richtung Kyle of Lochalsh. Dort ist eine riesige Brücke von Skye zum Festland und wir sind unten durch, das war echt beeindruckend.

Brücke nach Skye
Brücke nach Skye

Dann setzten wir unser kleines Jib und segelten los. Später meinte Neill, wir sollten das Hauptsegel dazunehmen und gesagt getan, meine Sicherheitsleine angeknipst und los gings. Wir hatten nämlich da die Wetterprognosen keinen Wind vorhergesagt hatten gar nix vorbereitet, weder den Halyard noch den Stack Pack noch den Lazy Jack – so jetzt staunt ihr nicht schlecht ich kenn mich aus, denn das sind die Teile am Baum (das ist der Teil, der das Segel raushält) befestigt sind und man braucht sie zum segeln. Wir segelten bei echt gutem Wind und kamen gut voran. Dann fuhren wir nach Loch na Chiridh, es sieht aus wie ein großer See und ist umrandet von lauter Bergen wunderschön. Um 19.30 Uhr gingen wir vor anker und freuten uns über einen wunderschönen Tag, an dem bei allen Segelmanöver alles super gelaufen war, auf etwas zu essen.

Mallaig und Loch Nevis

Bei gutem Wind segelten wir in Richtung Mallaig, da wir nochmal wegen unseres Motors schauen lassen wollten, denn fast jedesmal, wenn wir ihn einschalteten um in eine Bucht oder Hafen zu fahren, sprang er nicht an. Deshalb nach Mallaig, dort gibt es eine Werkstatt.

Kurz vor wir die Stadt erreichten, fing es zu regnen an und bei Regen wird es – zumindest mir – gleich kalt. Anlegen und nach einem Monteur fragen, aber uns gegenüber lag ein Boot namens Otter, das wir schon von der Marina in Oben kannten und der Besitzer kennt sich aus mit Dieselmotoren. Was haben wir für Glück!!

Ich sollte dem Hafenmeister Bescheid sagen, dass wir solange da bleiben bis wir wissen, was mit dem Motor ist. Am Steg war niemand von der Hafenmeisterei zu sehen und deshalb konnte ich mein “fantastisches Englisch” leider nicht auspacken.

Unser freundlicher Nachbar inspizierte den Motor und meinte, dass es daran liegt, dass wenn die Wellen von hinten kommen, immer Salzwasser in den Auspuff gedrückt wird und er deswegen nicht startet. Vollkommen klar, wir brauchen eine Klappe, wie ich sie von Traktoren vom Auspuff kenne, die nur in eine Richtung beweglich ist.

Zum Dank konnten wir unserem Chefmonteur eine Tasse Tee und noch etwas von meinem Kuchen anbieten und wir versprachen, wenn wir bei Kyle vorbeikommen in zu besuchen und ein Bier mit ihm zu trinken.

Mittlerweile hatte uns der Hafenmeister gefunden und wir meinten, dass wir gleich wieder weg sind, deshalb mussten wir auch keine Gebühr bezahlen.

Dann fuhren wir mangels Wind mit dem Motor nach Loch Nevis, es fing an zu regnen und zu  graupeln und ich blieb unter Deck – ja ihr könnt Weichei zu mir sagen – aber es war wirklich kalt. Dort liegt der abgelegendste Pub vom britischen Festland, denn er ist nur vom Wasser oder über die Berge zu Fuß zu erreichen ist. “ The old Forge “ heißt dieser Pub und als ihn der jetzige Besitzer übernommen hat, war es eine Schmiede und jetzt gibtˋs dort total gutes Essen. Ich hab zum ersten mal Jakobsmuscheln gegessen und sie waren mega gut.

Inverie auf Knoydart
Inverie auf Knoydart

Wer in dieser Kneippe isst, darf die Boje kostenfrei nutzen. Nach zwei Ginnes und einem mega tollen Nachtisch ruderte mich mein “Taxifahrer” wieder zurück auf unsere Artemis.

Nach ausgedehntem Frühstück überlegten wir, was wir heute machen.

Seilrollen austauschen und ein bisschen am Boot arbeiten, danach noch etwas von Knojdart anschauen, leider zu Fuß, da unsere Fahrräder noch nicht mit an Bord sind. Wir fanden sogar zwei Mountainbike Strecken, eine für geübte Biker und eine Rot beschriebene für Extremere (ich denk das wäre etwas für Gremmel und Wera) und eine Warnung mit dabei, Leute denkt dran, in diesem Gebiet funktioniert kein Handy, deshalb seid vorsichtig und fahrt am besten nicht allein.

Nach einem zweistündigem Marsch bei wunderschönem Wetter machten wir uns auf den Heimweg zum Boot, dann kochen und jetzt bloggen, damit ihr wieder lesen könnt, was wir so treiben.

Insel Rum

Als ich aufwachte, regnet es, schade dachte ich was trockenes Wetter doch ausmacht, man steht lieber auf, zieht sich an und startet in den Tag, scheinbar bin ich wieder eingeschlafen, denn als der Wecker klingelte regnete es nicht mehr. Also aufstehen, frühstücken und zur Insel Rum segeln.

Alles klappte wirklich tadellos, wir setzten das Jip und nach kurzer Zeit wechselten wir auf das Genoa, dieses mal versuchte ich mich beim einholen und es klappte echt super. Neill kann eben doch viel besser in den Wind fahren als ich. Kurz bevor wir da waren holte ich das Genoa ein und wir fuhren dann, auf den zweiten Versuch, denn unser Motor wollte nicht gleich starten, nach Loch Skresort zum ankern.

Ich hatte solche Lust auf etwas Süßes, dass ich mich mit einem Kuchen versuchte, versuchte deshalb, da ich keine Waage und kein Rezept an Bord hab, spannend !!

Auf der Insel Rum gibt es ein Schloss, dass wir uns anschauen wollten, denn die Besitzer hatten es verlassen, ohne etwas mitzunehmen und so ist es noch unverändert. Wir machten an der Infotafel halt um uns einen Überblick  über die kleine Insel Rum zu verschaffen, die witzigerweise immer einen Wolkenhut auf ihrem höchsten Berg trägt und somit irgendwie ihr eigenes Wetter hat. Wir tranken einen Kaffee im Ortscafe und Neill kam gleich mit der Bedienung ins Gespräch.

Insel Rum
Insel Rum

Wir machten einen Spaziergang entlang dem markierten Weg, an verschiedenen Croften (das sind Kleinstlandwirtschaften, die sich oft eigenständig versorgen) vorbei. Auf dem engen Weg trafen wir die Eigentümer und sie erzählten uns dass sie vor 2012 hier dieses Land gekauft haben und sich als Aussteiger selbst versorgen. Wen es interessiert, kann auf deren Homepage  http://croft3.co.uk nachlesen was sie so machen. Sie haben Solarpanelen und einen Windgenerator mit denen erzeugen sie ihren Strom; Elektrogeräte gibt es bei Ihnen aber keine, doch es gibt Internet. Wir hatten schon Richtfunkantennen gesehen und sie erzählten uns, dass der Internetbetreiber Ian heißt und ganz in der Nähe wohnt.

Wir gingen weiter und natürlich besuchten  wir Ian von Hep-Net um ein bisschen zu fachsimpeln, nach sehr informativen Gesprächen gingˋs für uns weiter, denn ich wollte unbedingt noch auf einen kleinen Gipfel, der einen wunderschönen Ausblick versprach. Nach 2,5 km und mindestens 200 Höhenmetern hatten wir Gipfel bzw. das Ende des befestigten Weges erreicht.

Von oben zog der Nebel runter und wir machten uns auf den Rückweg, das bedeutet für mich ins Dingi sitzen und mich zum Boot zurück paddeln lassen.

Jetzt den Kuchen probieren!!! Er war gar nicht schlecht, aber wie heißt es so schön, Hunger ist der beste Koch.

Und wieder ist ein ereignisreicher, spannender Tag vergangen mit unbeschreiblichen Bildern, Momenten und neuen Menschen. Ich denke mir, eigentlich müsste ich einen Film drehen, um euch dieses Land zu zeigen mit all seinen Kontrasten und Unterschieden, einfach toll.

Ja und morgen gehtˋs nach Loch Nevis.  

Sonntag Ruhetag!

Montag früh aufstehen, einkaufen, lossegeln, so der Plan. Beim spülen nach dem Frühstück erwähnte ich, dass die Wasserpumpe wieder einmal hängt. Nach klopfen, hantieren, wieder einschalten und alles probieren, war ganz schnell klar, sie ist kaputt. Aber nachdem es in Tobermory einen Schiffsausstatter gibt, haben wir eine neue Pumpe und bei der Gelegenheit auch noch neue Rollen und ein neues Seil gekauft.

Willkommen im Seglerleben, wenn du denkst, alles ist perfekt und passt, geht irgendetwas anderes kaputt.

Egal, ich wollte die Rollen austauschen, als es anfing zu regnen, also richtiger Regen nicht flüssiger Sonnenschein, denn wir sind ja in Schottland und alles was ein bisschen nass macht, ist hier nämlich kein Regen. Aber dann hab ich nur die drei wichtigsten gemacht und lieber Neill bei der Arbeit zugeschaut.

Irgendwann waren wir fertig und wollten einen Ankerplatz am anderen Ende der Marina aufsuchen. Doch leider fanden wir keinen richtigen Halt zum ankern und zogen dann doch eine Boje zum übernachten vor.

 

Aus dem Hafen raus mit dem Motor aber dann Hauptsegel und Jip gesetzt und Kurs auf die Insel Muck. Wir segelten bei traumhaftem Wetter (ca. 12 Grad aber sonnig) an der Insel Eigg und Rum vorbei um auf der Nordseite, da der Wind von Süd kommt, von Muck zu ankern.

Insel Eigg von Insel Muck
Insel Eigg von Insel Muck

Dingi aufblasen und Landgang ist angesagt.

Wir legen an einem Sandstrand an und das Wasser ist grün blau und ich denk es ist fast karibisch (bis auf das bisschen Temperaturunterschied). Wir spazieren ins nächste (auch einzige) Dorf auf der Insel, vorbei an Kuhherden mit Kälbern und Schafe mit gefühlt mindestens genauso vielen Lämmern. Ein Bauer markierte die Lämmer und hat deshalb die Mutterschafe von den Lämmern getrennt, ihr könnt euch sicher vorstellen was das für ein Geblöcke und Gezeter war.

Es gibt im Dorf, Port Mor (es besteht ca. aus. 20 Häusern), ein Gemeindezentrum (das Haus ist ca. 10 x 5 Meter groß) dass man mieten kann. Aber hier findet auch das Turnen, Fußballspielen und ich glaube alle anderen Aktivitäten des Dorfes statt.

Wir haben viele Windräder und Solarpannelen gesehen und wir haben einen Hafenarbeiter gefragt, ob Muck Energietechnisch outarg ist, doch er wusste es leider nicht genau, erzählte uns aber gleich, dass er auf Mull wohnt. Natürlich wollte er wissen, wo wir herkommen und nachdem wir uns als Allgäuer geoutet hatten, meinte er, dass er nur in Frankfurt und Berlin gewesen ist.

Auf dem Rückweg zum Boot machten wir noch einen Abstecher zu einem alten Haus, dass so aussah wie die alten Häuser früher und ich kam mir vor wie im “Herr der Ringe im Hobbitland”.

Nie hätte ich mir vorstellen können, dass Schottland so schön ist, karg mit viel Gestein aber auch mit saftigen grünen Wiesen und verschiedenem Vieh.

 

Auf dem Weg nach Tobermory

Heute morgen sind wir früh aufgestanden und ohne Frühstück gings los. Nachdem es der Wind gut mit uns meinte, ging es nicht zu Iona sondern Richtung Staffa, dies ist eine Insel mit Fingalˋs Cave. Eine Basaltinsel deren Ränder aussehen wie Orgelpfeifen mit einer Höhle und vom Wasser aus super zu sehen. Dann als nächstes Ziel stand Treshnish Isles auf dem Plan, das sind unbewohnte Insel mit Brutplätzen für verschiedene Seevögel und dort gibt es auch Seehunde.

Wir ankerten und kurz darauf streckten die ersten zwei schon den Kopf aus dem Wasser, ganz neugierig als wollten sie sagen: “wer seid ihr, wo kommt ihr her?” Ganz putzige Tiere und wir wollten ganz tolle Bilder schießen, das heißt, warten bis sie auftauchen dann scharf machen und ….. weg war der Seehund, deshalb gibt es nur ein Bild mit einem kleinen Kopf, wo man erahnen kann, dass soll ein Seehund sein. Nach kurzem Imbiss überlegten wir, wo wir diese Nacht bleiben sollten.

Unsere Seekarten gehen nur bis Tobermory, dass heißt wir brauchen Neue und da es noch früh war, segelten wir Richtung Tobermory, der Hauptstadt der Insle of Mull. Wir haben das Hauptsegel gesetzt und das kleine Segel Jib und los gings, wir übten Wenden und Halse – hört sich fast so an als ob ich etwas davon verstehe – aber es macht total Spaß.

Dann kam richtig die Sonne raus und im Windschatten wars fast warm. Ich genoß meine Rolle als Stand by Seglerin und lies mir die Sonne ins Gesicht scheinen, soooo schön.

Tobermory
Tobermory

Nach einem langen Tag kamen wir gegen 17.30 in Tobermory an und ich konnte es kaum glauben, den die Stadt ist kunterbunt, fast jedes Haus hat eine andere Farbe und es sieht total witzig aus. Der Hafen und der Parkplatz war ziemlich voll und als wir unser Dingi aufgeblasen hatten und an Land kamen hörten wir schon Musik. Ein Passant klärte uns auf, dass  dieses Wochenende ein Musikfestival in Tobermory mit allen erdenklichen Musikrichtungen gibt. Die Bandˋs spielen in verschiedenen Kneipen und der Eintritt ist frei. Wir gingen etwas essen und anschließend noch in einen Pub um Musik zu genießen.

Am Heimweg hörten wir einen Dudelsackpfeifer und Neill meinte, dass es fast Vergewaltigung sei, das in einem Raum zu tun, denn ein Dudelsack gehört ins Freie, aber ich war so neugierig, weil ich noch nie einen “echten Dudelsackpfeifer” gesehen habe, dass ich durchs Fenster schaute wie bestimmt 10 andere Festivalbesucher, die drinnen keinen Platz mehr fanden.

Durch die Hauptstraße zogen maskierte Menschen (Perücken, Indianer)  Mädels mit kurzen Hosen und bauchfreien Tops und ich mit dicker Jacke, Stirnband und Live Jacket (wir mussten ja noch mit dem Dingi fahren) aber alles kein Problem und keiner wunderte sich hier über irgendetwas.

Mit Seekarten kaufen müssen wir noch bis übermorgen warten, da wir überhaupt nicht daran gedacht haben, dass Samstagabend war und  das Geschäft erst am Montag wieder öffnet.

Damit gibt es morgen einen Ruhetag mit ausschlafen und sonst schauen wir, was der Tag noch bringt.

Unser 1. richtiger Segeltag

Nachdem unsere technische Schwierigkeiten jetzt alle behoben sein sollten, machten wir uns am Morgen relativ früh auf zu unserem 1. richtigen Segeltag. Der Wetterbericht war total beständig mit gutem Wind ca. 10 Knoten und genau in der richtigen Richtung, damit wir die ganze Küste von Mall entlang segeln könnten und dann in der Bucht Tinkerˋs Hole zu ankern. Wenn man allen Beschreibungen glauben mag, ist diese Bucht wunderschön aber immer total voll und man bekommt keinen Platz.

Also los gehtˋs mit dem Motor raus und als wir in der richtigen Richtung zum segeln waren, tata wo war unser Wind? Plötzlich totale Flaute, keine Fahne weht, kein Windgenerator bewegt sich. Macht nix dann fahren wir eben noch ein bisschen mit dem Motor weiter und versuchen verschiedene Dinge aus. Wir haben nämlich auch einen Autopiloten an Bord und nachdem Neill nichts anderes zu tun hatte, haben wir ihn gleich ausprobiert. Neill erklärte mir, dass dieses Gerät nun die dritte Person an Bord ist und einen Namen braucht. Wir haben ihn dann kurzer Hand Steven – nach unserem Haus- und Hoftechniker in Ardfern – getauft.

Nachdem jetzt der Autopilot eingerichtet und seine Arbeit aufgenommen hatte, war von Wind immer noch nichts zu spüren und da wir zu Tinkersˋs Hole kommen mussten, da das die einzige  geschützte Bucht an der Südküste ist, mussten wir einfach weiter Motorboot spielen.

Dann waren wir da und trauten unseren Augen kaum, außer uns war nur ein einziges Boot mit vier jungen Schotten, die Stehpaddel fuhren da. Dafür eine malerische Bucht, die den Eindruck eines kleines Seeˋs machte, wir wollten unbedingt an Land, was bedeutet unser Dingi aufpumpen und paddeln. Unser Boot ankern und gesagt getan keine halbe Stunde später standen wir auf einer Insel. Auf einer Seite die Bucht mit unserer Artemis ruhig und idyllisch und auf der anderen  Seite der Atlantik, wild und mit hohen Wellen und starker Brandung.

Tinkers Hole
Tinkers Hole

Auf der gegenüberliegenden Seite sahen wir die Insel Iona mit einer riesigen Kathedrale und dann war unser Plan, morgen fahren wir da rüber ankern vor Ort und fahren mit unserem Dingi an Land und machen ein bisschen auf Kultur und besichtigen die Kathedrale, denn der Wetterbericht sagt kein Wind und alles kein Problem. Also ausschlafen und dann die kurze Strecke nach Iona.

Nächster Morgen wir legen ab und kaum zu glauben Wind in rauen Mengen, kein Ankern vor der Kathedrale möglich, aber sicher weiter unten, da ist es geschützt – ein alter Scheiß – also kein Ankern vor Iona. Dann eben nur vom vorbeisegeln gesehen, auch ok. Also neuer Plan wir suchen einfach einen neuen Ankerplatz  Bunnessan ziemlich in der Nähe und machen es vom Wetter abhängig ob wir es am Tag drauf nochmal probieren (je nach Wind)oder ob wir einfach weiter fahren oder segeln nach Staffa.

Und heute Abend sind außer uns noch sieben andere Segelboote in Bunnessan, aber im

Gegensatz zu uns, haben die alle einen Motor an ihrem Dingi und können an Land, denn bei 10 Knoten Wind, brauchen wir nicht los paddeln.

Wenn etwas sicher ist beim Segeln, hab ich mittlerweile schon gelernt, dann ist es, dass du planen oder dir überlegen kannst was du willst und dann alles ganz anders kommt. Deshalb meine Devise, wir segeln bestenfalls  dahin wo uns der Wind hinbläst.

Oban

Nach einem erfolgreichen Anker entfernen, gings los mit Regen und eigentlich eher Kachelofenwetter, aber wie gesagt es ist wie Fahrradfahren, wenn du richtig angezogen bist und mal draussen bist,  ist alles halb so schlimm. Am Anfang war der Wind noch etwas mau, doch das wurde zunehmend besser und dann erreichten, wir doch fast bei Sonnenschein Oban. Es war Sturmwarnung für die Nacht gegeben und wir haben ganz entspannt in der Marina angelegt, so, daß wir einen Tag später ohne groß Rückwärts fahren zu müssen lossegeln konnten. Denn wir hatten Tags drauf einen Termin in Oban mit einem Elektriker, der sich das Spannungsproblem mit den Batterien anschauen wollte.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang über die Insel, wo wir fast Mountainbike Strecken gefunden haben, gings duschen und Essen kochen. Dann kam der Wind, puh ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie sich ein Sturm mit ca. 40 Knoten anfühlt und ich war nur mega riesig froh, dass wir in einer Marina und nicht irgendwo draußen vor Anker lagen. Nach gefühlt 25 mal aufstehen, nach den Fender schauen, die Leinen überprüfen, den Strom wieder versuchen einzustecken und vieles mehr, dachte ich ca. um halb sechs, dass wir unser Boot heute keinen Millimeter bewegen.

Oban
Oban

Doch zwei Stunden später bei Tageslicht war das ganze gar nicht mehr schlimm. Das Meer war fast ruhig  und wir verließen die Marina vollkommen ohne irgendein Risiko einzugehen um nach Oban zu fahren. Der Mechaniker war da und ich ging einkaufen.

Als ich durch Oban schlenderte, kam mir doch tatsächlich Mark, unser Pensionswirt aus Ardfern entgegen. Könnt ihr euch vorstellen, dass ich mich wie ein Schnitzel gefreut hab, denn ich kenn genau vier Menschen in Schottland und dann treffe ich genau einen davon. Das ist fast wie ein Sechser im Lotto (Haha)  und nach einem kurzen Smaltalk musste er weiter und ich ging einkaufen und wo natürlich bei ALDI.

Abends machten wir, wie  das Touris machen, einen Spaziergang zum Obelisk von Oban und wieder war ich von der Weitläufigkeit dieses Landes mega überrascht. Die Sonne schien und der Blick aufs Meer war einfach malerisch.